Tagebuch von Denis Baumgartner: Phase 2.




Denis Baumgartner's bisherige Berichte:
24. Mai 2003 - 20. Mai 2004

Berichte vom 30. November 2004 bis 1. Januar 2005
Berichte ab 5. Januar 2005



Kinshasa, DR Congo, Dienstag, 30. November 2004, 19:37.

Hallo,
eigentlich gibt es nichts Spezielles zu sagen... alles beim Alten.
Bin ohne Zwischenfaelle in Kinshasa gelandet und die Hitze war
ertraeglicher als ich erwartet habe. Das Chaos das auf dem
internationalen Flughafen herrscht dafuer wie erwartet.

Der Arbeitskollege und der offizielle UNO-Abholer, der die
Zollformalitaeten erledigt, sind sich auch gleich in die Haare geraten
und der nette Mensch wollte mir meinen Pass nicht mehr zurueck geben,
weil er zuerst einen Rapport gegen meinen Kollegen schreiben will
(es sind beide Kongolesen ) und ich als Zeuge aussagen soll.
Als ich ihn beruhigen wollte, ist er auch noch stinkig geworden und
hat mit meinem Pass gewedelt und gesagt ich muesse aufpassen, sonst...
Sonst was ? Das weiss ich auch nicht und es ist mir eigentlich auch
egal, soll doch der meinen Pass bei sich behalten. Da geht er
wenigstens nicht verloren.

Das Zimmer bezogen, dann einen kurzen Abstecher in den green room,
den es tatsaechlich noch gibt. Wo ich auch prompt einen ganzen
Teller voller Heuschrecken oder wie man diese Teile nennt aufgetischt
bekam. Fritiert wohlbemerkt, so ca 4cm lang mit knusprigen Beinen und
Fuehlern.

Man kanns essen, ich bevorzuge eigentlich die Raupen, die eher gummig sind.
Die erste Nacht dank Klimaanlage gut ueberstanden und nun beginnt die
check in Prozedur, d.h. ich habe genug Zeit einige Zeilen zu tippen.

Ihr seht, alles beim Alten und ich bin bis jetzt ganz ruhig geblieben
(ist nicht ironisch gemeint).

Malembe
8. Dezember 2004, 09:00

Bin immer noch beim check in und es dauert.
Dass ich fuer Military Information arbeiten werde scheint
eigentlich klar.
Ich hatte auch schon ein spezielles Training fuer Arms Embargo,
das war wirklich sehr interessant und gut gefuehrt. Wenn wir das
Gelernte richtig anwenden wird es den boesen Buben das Leben
bestimmt schwerer zu machen.
Auch wollen die hier im Hauptquartier eine Joint Mission Analysis Cell 
bilden, was soviel heisst wie eine Abteilung, die aus verschiedenen
Branchen zusammen gestellt wird, um Informationen besser auswerten
zu koennen. Unser Part waere wiederum gewisse Informationen zu
beschaffen oder zu verifizieren.
Man staune, es bewegt sich was, aber mit Sicherheit Malembe (langsam)
und die Idee ist auch nicht neu, wir haben das Ganze schon von 15
Monaten vorgeschlagen, sind aber nicht auf grosses Gehoer gestossen.
Dieses Mal kommt die Idee von der der Zivilisten-Seite...

Die MONUC hat auch eine Abteilung fuer interne Untersuchungen erhalten,
die sich mit Verstoessen von UNO Angestellten beschaeftigt.
Wie auch schon aus den Zeitungen vernommen werden konnte, hat es
mehrere Faelle von Kindermissbrauch und Prostitution gegeben.
Genau denen wird jetzt auf die Pelle gerueckt.
Wie es aussieht schon mit Erfolg. Die Koepfe fangen an zu rollen. 
Samstag, 11. Dezember 2004, 14:00
Kinshasa RDC, leicht bewoelkt, 32 Grad

Offiziell zurueck in der Abteilung Military Information.
Jetzt muss ich mir nur noch einen Arbeitsplatz und einen PC unter
den Nagel reissen und es kann losgehen wie gehabt. Wenn alles weiter
so klappt, dann gehts bald in den Nordkivu im Osten des Landes.

Die FDLR (Ruandische Rebellengruppe, die der Hutu-Ethnie angehoert
und im Kongo lebt) soll dort mehrere Doerfer verwuestet, Menschen
verschleppt,vergewaltigt und getoetet haben.
Wir unsererseits sind mehr an Beweisen bezueglich der Praesenz der
Ruandischen Truppen interessiert. 
Kagame, der Praesident von Ruanda, sieht eine Bedrohung in den
FDLR Rebellen fuer sein Land und verlangt von Kabila
(der Praesident Kongos), dass dieser Truppen in den Osten schickt
und die FDLR unter Kontrolle bringt. Anderfalls wird er seine
eigenen Truppen in den Kongo senden. Wir vermuten eben, dass er das
schon getan hat.

Die Kongo Truppen (FARDC) sind jetzt im Anmarsch, werden aber nicht
von allen Seiten unterstuetzt. Es hat viele Ruanda-staemmige Kongolesen
(Angehoerige der RCD-G Rebellenbewegung, die jetzt in der
Uebergangsregierung intergriert ist) im Osten, die die neue nationale
Armee nicht akzeptieren. Auch ist Ruanda nicht wirklich daran interessiert,
dass der Kongo das Problem selber loest. Sie brauchen einen Grund, ihre
Truppen in den Kongo zu senden. Damit sie die Kontrolle ueber gewisse
Regionen haben, sprich festigen koennen.

Was es dort wohl alles Schoenes gibt ? 
Da muss man nicht lange raten. Nein, kein Tierpark mit Elefanten, Okapis
und Gorillas, die sind schon alle gefressen worden oder in Souveniershops
zu finden.
Gold, Diamanten, Coltan etc., um das dreht es sich mal wieder.
Ich habe gerade im Internet die Homepage eines Wirtschaftsberaters gelesen,
in welcher dieser den Rat gibt, die Aktien der Goldminenbetreiber, welche im
Osten des Kongos operieren, zu halten. Es sei mit einem Gewinnanstieg
zu rechnen. Genauso wie mit einem weitern offenen Konflikt zu rechnen ist.
Zufall?   

Also auf den Punkt gebracht, Leute: Kauft Aktien...
(Fuer die Duemmsten: Das ist ironsch gemeint.)

Das ist aus meiner Sichtweise das, was momentan so abgeht im Ost-Kongo.
Man koennte ins Detail gehen, aber ich will ja kein Buch schreiben...
Goma, 1. Januar 2005, 16:00

Gruezi,

ich hoffe ihr hattet einen guten Rutsch ins neue Jahr. 

Wenn auch angenehm kuehl in der Nacht,  so ist von Glatteis und
Schnee weit und breit nichts zu sehen hier im Goma.

Wir waren zu Silvester von den Indern eingeladen.
Ich sage euch, wenn die Inder losgelassen.......

Goma am Fusse des Vulkans am See Kivu ist, so glaube ich,
eine der besten Destinationen im Kongo. Weihnachten und Neujahr
hier zu verbringen ist schon fast ein Privileg in der MONUC.
Mein Reisegepaeck, das fuer 3 Tage ausgelegt war, ist nach zwei
Wochen arg strapaziert und ich lebe von der Handwaesche. 
Es waren zwei sehr interessante Wochen, in denen ich vor Ort vieles
erfahren konnte.

Im Kinshasa MONUC HQ sieht man vor lauter Rapporten die Realitaet
nicht mehr und so hatte ich des oefteren ein Aha-Erlebnis.
Am Dienstag, wenn alles klappt, gehts zurueck nach Kinshasa.
 
Ich wuensche euch allen einen guten Start im 2005 und was man
sich sonst noch alles so wuenscht.

Denis



5. Januar 2005,  18:35

Teil 1

Endlich im Osten. 

Bin am Montag, den 20. Dezember mit Human Rights via Kisangani,
Bukavu nach Goma geflogen. Goma ist im Nord-Kivu an der Grenze zu
Ruanda und hat Anstoss zum See Kivu, und wurde bekannt durch den
Vulkanausbruch im Jahre 2002. 
Wir haben Informationen erhalten, dass mehrere Bewohner in der
Gegend von Walikale getoetet wurden. Ich bekam den Auftrag, mit
einem Untersuchungsteam von Human Rights nach Walikale zu fliegen
und dort mit der Unterstuetzung vom Milob Team (Militaer Beobachter)
der Sache auf den Grund zu gehen und Beweise, sprich Zeugen,
aufzutreiben.

Mit nur einer halben Stunde Verspaetung sind wir in einem Russischen MI 8
Helikopter nach Walikale geflogen, der Flug dauerte ca 40 min.
Ich staune jedesmal wieder, dass diese Dinger fliegen, aber sie tuns.
Sie sind der klare Beweis, das U-Boote mit Rotoren fliegen koennen.
Das Fussballfeld, auf dem wir gelandet sind, wurde von einem Platoon
Suedafrikaner (ca 30 Soldaten) gesichert. Wir wurden vom lokalen
MILOB Team in Empfang genommen.
Ein MILOB Team sollte theoretisch aus mindestens 6 Offizieren bestehen,
aber da war nur einer. Weshalb ?  Nicht fragen! 

Kurze Lagebeschreibung:
Walikale steht mit unter anderem deshalb im Mittelpunkt der Mission,
weil sich dort zur Zeit die Frontlinie der FARDC (die neu gebildete
Regierungsarmee des Kongo) und der Ex-ANC (Ruanda freundlich gesinnte)
befindet. Die Ex-ANC sollte eigentlich auch in der FARDC integriert
sein, hat sich aber abgesplittet und bekaempft nun den Aufmarsch der
FARDC. Die FARDC hat die Ex-ANC aus Walikale vertrieben. Die Ex-ANC
hat, bevor sie sich zurueck gezogen hat, die Doerfer gepluendert und
Bewohner umgebracht. Der Grund fuer unsere Untersuchungen. 

Die ganze MONUC schreit nach Informationen aus dieser Gegend und was
passiert?
Wir finden einen russischen Major vor, der einen Tag vor uns angekommen
ist und soviel weiss wie wir. Die Suedafrikaner sind seit drei Tagen
da und werden in zwei Tagen wieder ersetzt. 
Die Aufgaben der UNO Truppen und der MILOB sind klar getrennt.
Ein MILOB Team geht aus Sicherheitsgruenden immer mit zwei Fahrzeugen
auf Patrouille. Eine wahre Herausforderung fuer unseren tapferen Russen.
Gemass UNO Vorschriften haette er zweimal fahren muessen, um beide
Fahrzeuge auf den Landeplatz zu bringen, da es UNO Truppen nicht erlaubt
ist die Fahrzeuge zu fahren.
Die Fahrt zum Teamside (das Haus oder was auch immer der MILOB) war
echt Cameltrophy-wuerdig und (wenn nicht in diesem angespannten Umfeld
erlebt) echt cool. Schlammpassagen soviel das Herz begehrt! 

Nur, mit Formel 1 Slicks, und die Pneus waren schlimmer als solche,
kommt keine echte Freude auf. Die Schlarpen waren so runter gefahren,
dass das Gewebe uns schon anlachte und wir des oefteren im Sumpf
stecken blieben.
In Kinshasa stehen die aufgemotzten, gepanzerten Gelaendewagen mit
Stollenreifen nutzlos rum. Die Bimbos im Feld duerfen sich mit den
heruntergewirtschafteten Wagen herumschlagen. Funkkontakt hatten wir
zwischen den Fahrzeugen keinen. Der wurde erst am Tag unserer
Rueckreise nach Goma installiert, da die noetigen Mittel nicht auf
Platz waren. Soviel zur Sorge ueber die Sicherheit der Leute im Feld,
von Seiten der Administration/Fuehrung, die hier die Mission leitet.
Who cares?

Wir haben uns aufgeteilt, um moeglichst viele Informationen ueber
die Geschehnisse der letzten Tage zu sammeln. Da Menschenrechte mich
nicht interessieren oder sagen wir es mal so, sie sind fuer meine Arbeit
nicht von Prioritaet, bin ich zu Fuss losgesumpft, um dem Kommandanten
der FARDC Brigade meine Anwesenheit aufzudraengen. Muss sagen, es ist
natuerlich absolut erleuchtend (...), als Captain (ich war der einzige Of)
vor einem Brigade General zu stehen... -und mit ihm ueber doch relevante
Anliegen zu diskutieren !
Habe ihn nicht mit Kugeln aber mit Fragen geloechert. Der Typ war
auesserst kooperativ. Er scheint einer der Wenigen zu sein, die eine
militaerische Ausbildung genossen haben. 
Nicht dass ich gleich in naive Begeisterung ueber ihn verfallen waere,
aber ich denke, wir hatten ein konstruktives Gespraech und ich bekam
direkt und indirekt Informationen, die uns weiterhelfen werden,
ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.
Ein weiterer Stein im grossen Mosaik...

Auf dem Weg zurueck ins Camp wollte ich einem Kindersoldaten die
Handgranate abkaufen aber der wollte partout nicht. Kann ich ja verstehen.
Welches 12-jaehrige Kind hat schon solch ein aussergewoehliches Spielzeug
und das schon vor Weihnachten ?

Aber er hat mir wenigstens seine AK-47 (Sturmgewehr) zum Spielen
ausgeliehen.
Es war sogar voll aufmunitioniert und geladen. Aber ob dieses alte Ding
schiesst oder gleich explodiert weiss ich nicht. Der Lauf war voller Dreck
und ueberall Rost ausser am Holzschaft.
Auf die Frage, ob er manchmal Schiessuebungen mache, hat er verneint, er
schiesse nur auf Gegner. Ich denke, der Lausejunge hat noch nie
geschossen. Ich hoffe es wenigstens.

Anschliessend sind wir ein Dorf weiter gefahren, wo wir auch Zeugen suchen
wollten. Ich glaube, das war die beste Strasse, die ich bis jetzt im Kongo
befahren habe. Der Grund war auch bald klar. Einen Teil der Strasse wird
als Landepiste von Flugzeugen genutzt, welche die Naturesourcen wie Gold,
Coltan etc ausfliegen. Zwei  Flugzeuge, die hier wahrscheinelich eine
Bruchlandung hingelegt haben, stehen am Pistenrand. 

Nach einem sehr spartanischen Nachtessen und einer noch spartanischeren
Nachtruhe haben wir noch ein paar Zeugen befragt und sind anschliessend
mit dem Heli wieder zurueck in die Zivilisation.

Denis
6. Januar 2005,  16:50

Mission	2: Goma im Dezember 2004

In Masisi (ca 70 km westlich von Goma) und den umliegenden Doerfern
haben wir die gleichen Meldungen wie in Walikale erhalten. Es gab
Uebergriffe der Ex-ANC auf die Bevoelkerung in Form von Pluenderungen,
Vergewaltigungen und Ermordungen.
Es handelt sich um die gleichen Ex-ANC Truppen, die Walikale
pluendernd verlassen haben, weil die FARDC aufmarschiert ist.

Wir (Human Rights, zwei MILOBs und eine indische Eskorte) waren bereit,
Masisi einen zweitaegigen Besuch abzustatten. Um sieben sollte es
losgehen. Von einem kongolesischen MONUC-Angestelleten habe ich so
beilauefig erfahren, dass Suedafrikanische Truppen am Abend zuvor
zurueck gekommen sind. Das hat mich einwenig stutzig gemacht, da ich
wusste, dass die meisten Suedafrikaner nach Beni verlegt worden waren.
Darauf hin habe ich einen Sudafrikanischen Major angehauen, der gerade
daher kam und ihn  gefragt, ob seine Truppen in Masisi seien.
Er verneinte, die Truppen seien am Vorabend zurueck gekommen, weil
man auf sie geschossen habe.
Weder der Offizier, der die Einsaetze plant, noch der Stabschef
oder sonstige wichtige  Personen waren auf dem Laufenden.
Und so haette dieser Haufen Ignoranten uns in Masisi auflaufen lassen,
wo wir wie die Affen im Wald gestanden waeren und vergebens Aussicht
nach unseren 'Gschpaenli' gehalten haetten.
Uebung abgebrochen !

Habe beim unserem Brigade General Dampf abgelassen, aber das hat ihm
wenig Eindruck gemacht und er hat was von besonderen Umstaenden,
administrativen Problemen, gemurmelt. 
Ich werde auch mal General.

Drei Tage spaeter: Die Suedafrikaner sollten in Masisi sein.
Ich muss bemerken dass die Suedafrikaner in der Regel sehr
gut arbeiten und sehr flexibel und unkompliziert sind.
Nur ist ihre Ausruestung nicht fuer solche Einsaetze geeignet,
da sie urspruenglich unter einem anderen Mandat in die Mission
gekommen sind) 

Zweiter Anlauf

Wieder 07:00, ganzer Konvoi bereit zum Aufbruch.
Da wurde uns mittgeteilt, dass die Suedafrikaner doch nicht in Masisi
seien, weil man ihnen Boeses angedroht hatte. Ok, genug Kasperli
gespielt, wir haben also auf den Schutz durch die Inder vertraut
und auf unsere Faehigkeit, die Sicherheitslage situativ zu beurteilen.
So ca. auf halbem Weg sagte der Uebersetzer zu mir, er habe
Suedafrikaner auf einem Huegel gesehen. Habe ihn gefragt,
ob er Malaria haette und fantasiere, da seien keine Truppen von uns.
Ein paar Augenblicke spaeter haben die MILOBs vor uns angehalten und
einer ist zu mir gerannt und hat gemeint, da seien Mai Mai's
(eine weitere Rebellengruppierung) auf dem Huegel.

Ich habe also meinen Feldstecher ergriffen und schau her, es waren
tatsaechlich die Suedafrikaner. Diese hockten seit einem Tag auf
dem Huegel und warteten auf ??? Bitte nicht fragen, ich
weiss es nicht.  Sie hatten keine Verbindung mit dem HQ Goma,
da die Batterie des Satellitentelefons leer war. Der Kommandant war
zurueck nach Goma gegangen, um sie zu laden.

Was solls, wir weiter nach Masisi.
Dort angekommen mussten wir feststellen, dass die Lage sehr angespannt
ist und die Bevoelkerung grosse Angst hat mit uns zu reden, weil
die Ex-ANC Soldaten rumlungern. So haben wir nur oberflaechlich
Infos gesammelt, um uns ein grobes Bild zu machen und schliesslich
weitere Aktionen zu planen.
Ploetzlich tauchte ein Helikopter der MONUC auf. Er landete in der
Naehe von Masisi, flog aber nach wenigen Sekunden wieder davon.
Auf dem Rueckweg haben wir den Suedafrikanischen Kommandaten getroffen,
der von Goma zurueck kam, ohne Satelitentelefon.
Was solls,wir haben ihm viel Glueck gewuenscht und sind weiter gefahren
Richtung Goma. Im HQ angekommen haben wir dem Einsatz-Chef die
Koordinaten (GPS) angegeben, damit ihm wenigstens bekannt war wo die
Suedafrikanischen  Truppen sind und damit er auch wusste,
dass der Heli Material fuer die SA an Bord hatte. Da sie aber
niemanden in Masisi gefunden hatten und von unserer Anwesenheit
auch nichts mitbekommen hatten, waren sie wieder zurueck geflogen.

Die groesste Verlierer bei der ganzen Sache ist wieder mal die
Bevoelkerung. Sie leidet unter dem Terror und wartet auf die
Intervention der MONUC. Die Leute immer auf spaeter zu vertroesten
ist die eine Sache, aber wieder abzufahren mit den Wissen, dass die
Menschen nun wieder dem Terror der Soldaten ausgeliefert sind,
ist schlicht zum kotzen. 

Aber bei allem Elend gibt es auch positive Aspekte und man beobachtet
ausserhalb des besuchten Krisengebietes, wenn auch langsam,
Verbesserungen.

Ich werde also beim naechsten Mal etwas Erfreuliches berichten...
Hallo Denis,
hast Du eigentlich Deine Dienstwaffe im Kongo mit dabei ?

Samstag, 15. Januar 2005, 12:50

Gruezi Aste,

abgesehen von meinem Sackmesser bin ich unbewaffnet.
Die MILOB sind generell unbewaffnet, was ihrem Schutz dienen sollte
wie das bei den Securitas in der CH der Fall ist.
Was ein wenig Probleme bereitet ist, ist die Tatsache dass man
unter Chapter 7 die MILOBs und die bewaffneten UNO Truppen mischt.
Die Kongolesen machen da keinen Unterschied. Viele meinen,
wir sollten mindestens eine Pistole zum Selbstschutz haben.
Aber was will ich mit neun Kugeln? Wenn ich einen erschiesse und
die anderen nicht davon rennen, komme ich damit nicht weit.
Da ich nicht in einem MILOB Team arbeite und oft alleine oder zu
zweit unterwegs bin, ist es mir angenehmer in Zivil zu arbeiten.
Uniformentraeger werden zwar als Autoritaeten betrachtet, aber von
Seiten Militaer kommt es doch immer wieder zu kleinen
Machtdemonstrationen. Da ich nicht die Beherrschung habe, mich mit
Moechtegern-Soldaten rumzuschlagen, gehe ich solchen Spielchen
wenn moeglich aus dem Weg.

War gerade eine Woche in Bunia und bin jetzt in Beni mit einer Gruppe
fuer das arms embargo Training. Wir hatten im Dez 04 einen
teoretischen Teil und nun den Praktischen in den Sektoren.
Ich habe mal wieder das Glueck und kann als unabhaengiger Passivtrainer
mitreisen. Wir besuchen einige Sektoren.

Wir gehen oft an Orte, wo die MONUC noch nie war, somit kann ich
nebenbei Informationen sammeln die wir fuer unsere Arbeit brauchen.
Muss sagen, das Training ist gut und wenn wir am Ball bleiben
koennen wir mit dem Erlernten echten Druck auf die Waffenschieber
und Naturresourcendealer machen. Jene die mitverantwortlich sind,
dass das Land nicht zur Ruhe kommt.

Es fuehren Spuren bis zu den grossen Nationen. Da wir nur da sind
um Beweise zu sammeln, hoert unser Einfluss hier auf. Was daraus
gemacht wird liegt bei den Experten und den Politikern.

Gruss Denis
Freitag, 25. Februar 2005, 16:40

Angriff auf MONUC Soldaten im Ituri

Rebellen im Ituri haben die UNO (MONUC) Truppen angegriffen und bis
jetzt sind acht getoetete bangladesische Soldaten bestaetigt worden.
Wir denken, dass es sich um eine Reaktion auf eine Aktion der MONUC
handelt, bei der mehrere Rebellen verhaftet wurden. Doch Genaues
kann man im Moment noch nicht sagen.

Das in dieser Gegend Spannungen herrschen war uns bewusst, doch
dass die MONUC so heftig angegriffen wird, mit dem haben wir
weniger gerechnet...
Jetzt kommt es ganz darauf an, wie die MONUC reagiert.
Wenn wir nicht massiv militaerisch zurueckschlagen und im gleichen
Zug diverse Rebellenfuehrer, die sich auch in Kinshasa aufhalten,
verhaften, dann verlieren wir den Rest unserer Glaubwuerdigkeit. 

Was uns im Moment bremst sind so kleine Details wie z.B.
dass zuerst Landkarten gesucht werden muessen, damit die
Kampfhelikopter-Piloten wissen, wohin sie eigentlich fliegen sollen.

Man darf alles, nur nicht aufgeben.
Erster Maerz, 20:17, 2005

Wahlen im Kongo

Wie ich einmal gesagt habe, so haben wir Schweizer die Uhren, die
Kongolesen die Zeit. Ich habe zur Zeit keine Uhr mehr und die Kongolesen
keine Zeit oder zumindest nicht mehr viel.

Im Juni 2005 sollten hier Wahlen stattfinden. Gute Idee, Demokratie und so,
ist doch was tolles. Aber wo kann man das bestellen und kaufen? 
Die Lieferfrist dauert mehrere Jahrzehnte, oder hatten wir schon immer eine
Demokratie?

Die hier, und damit meine ich die Vereinten Nationen MONUC = UNO Mission
im Kongo, den CIAT (Communauté Internationale de l'assistance de la
transition) und die Uebergangsregierung, die wollen also die Wahlen auf
Biegen und Brechen durchfuehren. Das heisst es zumindest offiziell. Wenn man
davon absieht, dass der Kongo vier mal so gross ist wie Frankreich, ca. 5.5 Mio
Einwohner hat, gerade mal 400km der Strassen asphaltiert sind, die Armee
noch nicht vereint, wer Wahlberechtigt noch nicht geklaert, und wie die
Wahlen praktisch durchgefuehrt werden sollen und was fuer eine
Regierungsart gewaehlt werden soll auch noch in den Sternen steht.
Wenn man von all dem absieht, dann ist es kein Problem die Wahlen
durchzufuehren. Die Mehrheit der Uebergangsregierung will die Wahlen
eigentlich gar nicht, denn Wahlen wuerden bedeuten, dass sie ihre riesigen
unersaettlichen Hosentaschen nicht mehr bis zum platzen vollstopfen koennten.
Das Volk will Wahlen, auch wenn diese nicht fair sind, aber sie haben genug
von den jetztigen Hosentaschen-Vaganten.
Auf jeden Fall wird bald wieder eine neue Runde "Wer hat als erster die
Hosentaschen voll ?" losgehen.

Die grossen Wirschaftshaie wollen endlich eine demokratisch gewaehlte
Regierung. Wie sie zustande kommt ist denen egal. Haupsache, sie ist
international anerkannt, damit die Vertraege zum Abbau der Naturresourcen
unterschrieben werden und damit mit noch ruhigerem Gewissen der Raubbau
vorangetrieben werden kann.

Die MONUC reagiert

Wie immer muss zuerst etwas passieren, bevor reagiert wird.
Im Ituri (Nordosten) hat die MONUC nach dem Verlust von neun UNO Soldaten
endlich angefangen die Zaehne zu gebrauchen.  Einige Rebellen haben den
Loeffel abgeben muessen und leisten nun dem Koenig Leopold in der Hoelle
Gesellschaft, nachdem sie die MONUC erneut beschossen haben.

Hier in Kinshasa hat die Regierung auf Druck der MONUC angefangen
boese Buben zu verhaften. Was sicher einen positive Wirkung auf das
Verhalten der Rebellen haben wird.
Mein Arbeitskollege und ich wurden in eine task force eingeteilt, da
wir als Ituri-Spezialisten gelten (unter den Blinden ist der Einauegige
wahrlich ein Koenig).
Wir sollen Infos durch Informanten beschaffen, um die Aufenthaltsorte
von einigen der boesen Buben ausfindig zu machen, damit die Spezialeinheit
ihrer habhaft werden kann.
Unser Chef hat sich politisch nicht gerade sehr fein ausgedrueckt, indem er
sagte, er wolle die Herren in Handschellen oder im Leichensack in Kinshasa
haben. Wenn man die unmenschlichen Grausamkeiten, die gewisse dieser
Kreaturen an den Tag gelegt haben, nur annaehrend kennt, klingt seine
Aussage wie Musik in den Ohren. Ob sie im Gefaengnis schmachten
(die Gefaengnisse im Kongo sind nicht nett) oder im Leichensack verfaulen,
macht die Taten zwar nicht ungeschehen, aber das Gefuehl von Gerechtigkeit
waere Balsam auf vielen Wunden. 

Es waere auch ein Zeichen fuer eine Rueckkehr von Recht und Gesetz.
Und viele Strolche wuerden es sich vielleicht zweimal ueberlegen,
bevor sie Uebles tun...
BAZ-Bericht
vom 3. Maerz
Donnerstag, 17. Maerz 2005, 16:05

Details

Eine Arbeitskollegin, die fuer Human Rights arbeitet, hat sich privat
einen Toyota 4Runner Diesel (Gelaendewagen), um unabhaengiger zu sein,
zugelegt.

Der Verkauefer hat ihr das Teil als revidiert angedreht. 
Nach kurzer Zeit hatte sie einen Plattfuss, was es ja mal geben kann.
Nervig war, dass es keinen Wagenheber gab. Nun weiss ich auch, wieso
ueberall entlang der Strasse Wagenheber von Strassenhaendlern angeboten
werden. Habe mich immer gefragt, wer braucht den bloss all diese Dinger...

Keinen Wagenheber zu haben bedeutet ja nicht das Ende der Welt,
sowas passiert nicht nur im Kongo. So weit so gut. Irgendwann braucht
jedes Auto einwenig Hilfe. Ein Diesel, der laeuft, der saeuft.
An der Tankstelle angekommen, den Tankdeckel abgeschraubt, Diesel
eingefuellt, bezahlt und abgefahren. Kein grosses Ding. Nach wenigen
Minuten dann Gestotter und Gerumpel unter der Motorhaube.
Um es kurz zu machen: Der Diesel ist ein Benziner, lediglich der
Tankdeckel war mit Diesel angeschrieben, und so wurde der Wagen
als Dieselfahrzeug verkauft. Gegen ein paar Dollerchen macht
man hier alles wieder flott.

Es dauerte nicht lange, und das naechste Problem tauchte auf.
Der Mechaniker meinte, sie sei mit angezogener Handbremse rumgefahren.
Was ja auch mal passieren kann, nur das man deswegen den Zuendverteiler
wechseln musste, habe ich noch nicht begriffen. Details. 

Local Taxi

Wir haben zu dritt ein local Taxi genommen. Der Zustand dieser Fahrzeuge
ist in der Regel so schlecht, dass man erst gar nicht einsteigen will,
aber irgendwie machts trotzdem Spass. Nach kurzer Zeit hat das Ding
angefangen, bockig zu tun und ist stehen geblieben. Der Fahrer, wie
jeder Kongolese, ein Do it yourself-Mann, hat auch sofort seinen Kopf
unter die Motorhaube gesteckt.
Da musste ich natuerlich auch sofort meine Ruebe reistecken, und siehe
da, es war tatsaechlich sowas wie ein Motor vorhanden.
Der Fahrer hat zielstrebig den Benzinschlauch vom Vergaser gezogen,
um ihn sich in den Mund zu stecken. Dachte der blaest jetzt da mal
kraeftig rein um die Leitung frei zu machen. Hat er nicht. Er hat
gesaugt und dann hat er den Luftfilter abgenommen und das Benzin in den
Vergaser gespuckt. Ich war zutiefst beeindruckt. Der Versuch, den Wagen
zu starten, hat dennoch nicht gefruchtet. Da habe ich ihm gesagt,
er soll doch das Zuendkabel wieder in den Zundverteiler stecken.
Fuenf Minuten spaeter waren wir am Ziel.

Pest

Dass im Kongo die Lungenpest ausgebrochen ist, hat hohe Wellen speziell
ausserhalb Afrika geschlagen. Bei uns war das eigentlich kein grosses
Thema. Ich habe kuerzlich in Kisangani-liegt ca 160km suedlich vom
"Pestzentrum" - eine Journalistin getroffen, die wegen der Pest diese
Gegend besucht hat. Sie hat erzaehlt, dass die Bewohner der Gegend
ueberrascht waren, dass man wegen der wenigen Pesttoten so ein grosses
Aufsehen macht. Es sterben jeden Tag Menschen an Malaria und
Fehlernaehrung oder bei Unfaellen (Gold und Diamantenminen) in dieser
Gegend, und da kommen keine Mundeles (Weisse) angerannt.
Pest verkauft sich gut in der Presse, und woanders als bei den "Wilden"
in Afrika ist sowas heutzutage noch moeglich. 
Auf jeden Fall, die Pest ist unter Kontrolle und man kann wieder
ungestoert an Malaria und Fehlernaehrung dahin serbeln. Die Mundeles
sind wieder abgezogen.

Denis
Dienstag, 19. April 2005, 18.15

Gruezi,

Bin fuer fuenf Tage in Uganda rumgekurvt. Nicht ferienhalber, sondern
in offizieller Mission. Wir haben die Grenze zum Kongo abgefahren
und alle wichtigen Uebergaenge besichtig und mit so vielen Leuten
gequasselt, dass meine Zunge schon ganz ausgefranst ist.

Hatten wieder mal das Glueck, im Norden von Uganda Elefanten und
sonstiges Getier zu sehen. Als einer der Elefanten uns entdeckt hat
und uns entgegen kam um Hallo zu sagen, hatten wir es wiederum definitiv
gesehen und sind in zuegigen Schritten zu unserem Auto gehoeselt.
Wir hatten noch eine weit weniger gewichtige Verabredung.

Morgen gehts nach Bunia, wo die Entwaffnung der Rebellen voll im
Gange ist. Habe die Aufgabe, die eingesammelten Waffen zu analysieren,
was heisst, unter den Tausenden von Waffen diejenigen zu finden, die
uns Hinweise auf die Lieferanten geben koennten.
Schaetzungsweise 90% der Waffen sind Schrott, und es wird
eine Freude seine, diese zerstoeren zu lassen. Ich denke mal, die
Panzer der UNO werden ein kleines Taenzchen auf ihnen veranstalten.

Gruss
Denis
Fotos (erhalten am 4. Februar 2005, 10:50)
Nr. 1    2    3    4    5    6    7    8    9
Mittwoch, 18. Mai 2005, 10:20

"Commando" Aktion

Als ich das letzte Mal in Bunia (Ituri - Nordosten des Landes) war
um die Waffenregistrierung zu starten, hatten wir nebenbei noch
kleinere Aktionen am laufen: Die Aufspuerung und Festnahme von
boesen Buben. Ein Informant hatte uns gefluestert, dass sich einer
der ganz boesen Buben, dem wir schon lange auf den Fersen waren,
in einem Haus, ganz in der Naehe von einem Militaerlager der MONUC
aufhaelt. Wir haben den Battalionskommandanten informiert und er
hat uns einen Zug (30 Nasen) bereitstellen lassen.

Die zehn Minuten, die die Soldaten brauchen um Einsatzbereit zu sein,
sind dann auch schnell vergangen, ohne dass sie schliesslich
einsatzbereit waren. Da wir es eilig hatten, sind wir mit zwei
Fahrzeugen der Security schon mal losgezogen, um das Haus (was wie
die meisten mit einer hohen Mauer umgeben ist) rundum zu sichern,
d.h. sicherstellen dass der Vogel nicht ausfliegt.

So nach etwa 20 Minuten sind unsere "special Forces" angerauscht
gekommen, mit ungefaehr acht Gelaendefahrzeugen. Das Chaos war perfekt.
Als wir dann eine handvoll Soldaten endlich zusammen hatten, die
durch das Tor hineinstuermen konnten, fings auch gerade an. Der erste
Schuss. Was geht hier ab ? Nichts, einem unserer Rambos ist der Schuss
ab (ich sage nur "Finger lang"), zum Glueck ins niergendwo.  Da das
Grundstuck ziemlich unuebersichtlich war, brauchten wir noch mehr
Soldaten, und deren Chefs haben dann angefangen herum zu bruellen.
Nach ein paar Minuten sind dann auch noch ein paar uniformierte
Chaoten angerannt gekommen. Peng, der naechste Schuss, dem Soldaten
der gerade an mir vorbei gerannt war, ist auch noch ein Schuss ab
in den Boden.

Konsequenz: Mein Kollege und ich haben den  Rest der Aktion im
gepanzerten Gelaendewagen verbracht um uns vor "friendly fire"
zu schuetzen. Als sich die Lage beruhigt hatte, sind wir wieder aus
unserem Reduit rausgekommen, aber immer darauf achtend wohin die
Gewehrlaeufe unserer Kameraden hinschauen.

Des grossen boesen Buben konnten wir nicht habhaft werden, aber
dafuer erwischten wir sonst so einen verdaechtigen Halunken plus
noch drei Ugander, deren Identitaet wir abklaeren mussten.
Capt Denis Baumgartner
Mil Info
HQ Kinshasa
Democratic Republic of Congo
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