Tagebuch von Denis Baumgartner.




Denis Baumgartner's MONUC-Link


24. Mai - 28. Mai 2003
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Letzter Bericht

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Capt Denis Baumgartner
Mil Info
HQ Kinshasa
Democratic Republic of Congo
Kinshasa, DR Congo, 24. Mai 2003:

Bin am Donnerstag, den 22. Mai nach einem laengeren Aufenthalt in
Nairobi um 13:00 in Kinshasa gelandet, oder besser gesagt der Pilot.
37 Grad feucht warme Herrlichkeit schlug mir entgegen.
Der Flughafen ist ziemlich primitiv fuer eine 6 Mio Stadt.
Nachdem ich einem Traeger zugesagt habe, dass er meine Alukisten
tragen darf (und er war weiss Gott nicht der einzige der wollte),
ist er keinen Schritt mehr von mir gewichen. Herausgeschleppt haben
sie die Kisten dann zu fuenft, und dann wollten sie money, so
zwischen 1 und 40 Dollar.
Tja, ich wollte ihnen drei geben, oder auf Paul warten
(das ist der Schweizer, den ich ersetze), und geben
was er fuer angemessen haelt. Und so erhielten die fuenf nur einen
Dollar, was dem Tageseinkommen fuer einen Mann entspricht.

Dann gings los; eine breite gerade Strasse nach Kinshasa mit vielen
Loechern und Autos - oder so was aehnliches. Kurzes check-in im
Grand Hotel. Dann gings ins HQ ( Hauptquartier der MONUC - Mission
Organisé par les Nations Unis au Congo), wo die Abschiedszeremonie
fuer die zwei in Burnia im Nordosten des Kongos getoeteten MILOBs
(Military Observers) stattfand.

Anschliessend check-in bei der MONUC; dass heisst es ist heute Samstag
und ich bin immer noch nicht fertig: Formular an Formular ohne Ende.

Am Abend gingen wir Dart spielen mit MONUC Mitarbeitern,
in ein angenehmes Lokal wo sich auch Locals (Kongolesen) aufhalten.

Die MONUC hat ein eigenes kostenloses Transportsystem,
das 24 Stunden und 7 Tage die Woche laueft und sogar mehr oder
weniger funktioniert.
Wobei man erwaehnen muss dass Dienstleistungen wie eben erwaehnt
(Fahrdienst oder Gartenarbeit etc.) von Locals erledigt werden.
Ich musste allerdings einmal 2 Stunden warten, weil so ein Papa 
(so spricht man hier alle Maenner an, wie bei uns Herr..., Frauen
nennt man Mama) mich "vergessen" hat.

In der MONUC ist man so ziemlich von der Aussenwelt abgeschirmt,
das heisst nicht dass man nicht raus kann, nur lebt hier alles ein
wenig "in sich selber". Und bei vielen Mitarbeitern ist das Interesse
nicht allzu gross raus zu gehen.
Das ist aber ein Thema fuer sich, und ich komme sicher noch darauf zu
sprechen.

Was da draussen so alles abgeht, will ich nicht beschreiben, kann man nicht
in Worte fassen; darum werde ich so bald wie moeglich Bilder senden.

Mir geht es gut, ich habe noch keine Moskitos gesichtet,
meine Verdauung macht mir auch keine Sorgen und die "feuchtfroehliche"
Waerme kann man ertragen - es gibt ja auch Klimaanlagen.
Die Autos sind wie Kuehlschraenke, besonders wenn ein Papa faehrt.

Genug fuer heute...
Gruesse aus Nowhere.

Denis
Kurzer Zwischenbericht (25. Mai, 12:30):

Ich sitze wohlbehuetet im HQ in Kinshasa.
Naechsten Mittwoch gehe ich mit einem indischen Major nach Kisangani,
Kindu und wenn moeglich noch nach Burnia in den Nordosten um einige
Informationen, die wir bekommen haben, zu ueberpruefen.
Falls die Zeit reicht, gibt es noch einen Abstecher nach Goma
(2002 grosser Vulkanausbruch).
Kisangani, Mittwoch 28. Mai 2003, 20:45 local time

Nowhere, doch die MONUC machts moeglich:
Ich sitze am PC und bin mehr oder weniger online.
Ashish und ich sind um 08:00 mit einer Boeing 727 der UNO
(diese sind zwar weiss und blau angeschrieben, sind aber nur
gechartert und an Bord wird man nicht bedient)
nach 1 1/2 Stunden Flug ueber den Kongo in Kisangani gelandet.
Ich muss erwaehnen, dass man immer wieder eine Siedlung oder
Ansaetze davon aus dem Flugzeug sieht, sonst nur Regenwald und
sich dahin schlaengelnde Fluesse, wie es sein sollte.

Wieder mal ab in einen UN Bus und siehe da: Die Strasse ist geteert.
Dann vorbei an weidengeflochtenen Huetten, die mit Lehm bepflastert
werden, an spielenden Kindern, Huehnern und vielen Velos
(die man in Kinshasa selten sieht), und keine Autos, ausser
natuerlich die der MONUC, ganz nach dem Motto "klotzen statt kleckern".
Ich dachte, hier sei die MONUC nicht so aufgeblasen, aber das war
falsch gedacht. Die haben eine Logistik aufgebaut: sagenhaft.
Dass die MONUC zuwenig mache kann man also nicht sagen, wenn man
die Logistik ansieht. Auch gibts etliche Arbeitsplaetze
fuer die Locals, nur beisst sich die Ratte dabei selbst in den Schwanz: 
Die Inflation steigt an den Orten, wo die MONUC hinkommt, und dann gleich
nochmals, wenn die MONUC abzieht. Dann fallen auch die Arbeitsplaetze weg. 
Wir hoffen, dass dies in unserem Fall erst in weiter Ferne liegt.

Ich bin im Wellfare UNO Hotel untergebracht, war am Nachmittag
auf dem hiesigen Markt. Abgesehen davon dass es nicht so heiss war wie
in Kinshasa, habe ich mich wie in Badehosen am Nordpol gefuehlt-
fehl am Platze, weiss und in Uniform.
Zu meiner angenehmen Ueberaschung waren die Leute zwar neugierig,
aber nicht aufdringlich. Ausser einem "Hallo comment ca va"
und einem Lachen, wenn man zurueck gruesste
- wofuer sie kein Geld wollten -, wurde ich in Ruhe gelassen.
Wenn es nicht so heiss gewesen waere, haette ich es noch lange
ausgehalten auf dem Markt. Von Velos ueber Diamanten, Bananen,
Kohle, Maniok etc etc gab es alles.
Morgen gehts mit dem Flugzeug oder Heli nach Bunia,
wo uns unsere eigentliche Aufgabe erwartet.

Werde kurz militaerisch:

Auftrag :   - Doerfer, Flugplaetze auf der Karte genau eintragen und mit
              Namen bennen.
            - Rebellentruppen - ihre Anzahl, Bewaffnung und ihr 
              Verhalten/ ihre Absichten auflisten.
            - uns mit den Anfuehrern treffen und "plaudern".
            - mit NGO's (Non Goverment Organisations) und Locals "plaudern".
            - mit dem Kommandanten der MONUC in Bunia 
              die gewonnenen Informationen vergleichen.

Ziel:         Den UNO Forces einen moeglichst genauen Bericht darueber
              zu geben, was sie erwarten koennte
              (mit Betonung auf "koennte", da die Truppe weitere Massaker
              unterbinden soll, und noch auf das Mandat vom UNO
              Sicherheitsrat wartet).
             
- Was nicht heisst, dass alles von unserem Bericht abhaengt, da laufen
parallel andere Projekte (oder wie man das nennen soll).
Im Moment halten sich gerade zwei Franzosen in Zivil vom Defense Dept.
im gleichen Hotel auf; sie fliegen morgen auch nach Bunia.

So schauen wir mal, was der morgige Tag bringt.

Denis
Bunia, 30. Mai 2003, 19:00 local time

Unglaublich, ich bin schon wieder am PC, ihr seht, Zeit ist im
Kongo kein Poblem, die Stunden dauern hier laenger weil alles
seine Zeit braucht.
Hier in Bunia ist es wie in der Schweiz: am Tag warm und waehrend der Nacht
kuehlt es so ab dass man am Morgen eine leichte Jacke vertraegt.

Wir haben heute morgen mit Franzosen, deren Aufgabe es ist, ihren
Einsatz vorzubereiten, Infos ausgetauscht.
Dann sind wir mit einer Patrouille mitgefahren, wurden aber nach
ein paar hundert Metern von UPC Rebellen angehalten unsere
vorgesehe Marschroute zu aendern. Es hat wieder mehr Locals,
die mit ihrem Hab und Gut Richtung MONUC HQ wandern.
Uns sind mehrmals Pick-ups (natuerlich Toyota) entgegen gekommen:
Mit Rebellen zwischen 10 und 20 Jahren, bewaffnet mit Kalaschnikows,
Handgranaten, Panzerfaeusten und Maschinengewehren.
Tragisch ist, dass viele Kindersoldaten unter Drogen stehen.
Sie haben die Wahl: Eine Waffe oder Hunger.
Mit der Waffe koennen sie bei den Locals Geld oder Nahrung verlangen.

Haben einen UPC (Hemas) Anfuehrer gesprochen - die meisten sprechen
mehr oder weniger Franzoesisch. Neues haben wir nicht rausbekommen,
er war ziehmlich jung fuer einen Lt Col., und sein IQ war...???
-was ihn eben ungemuetlich macht.

Am Nachmittag bin ich zu einem Oesterreicher gegangen, einem NGO.
Er ist ueber die MONUC gar nicht begeistert, ich sei der erste
Militaer, der sich die Muehe gemacht hat, mit NGOs Infos auszutauschen.
Er wird morgen Nahrungsmittel fuer 1700 Familien im Fluechtlingslager
beim Flugplatz verteilen.
Zurzeit wird fuer das Wochenende ein Angriff der Lendus auf Bunia
erwartet, dem die Force International zuvorkommen will.
Wir werden das sicher mitbekommen, denn das HQ ist im Zentrum und
liegt an der Haupteinfallsachse.
Leider ist Regen angesagt und es sind Schoenwettersoldaten... smile.

Zur Information:
Die Region Inturi ist absolut selbstversorgend, wir haben Baeume
mit Mangos vor dem HQ, es hat Mais und Gemuese auf den Feldern,
Kuehe und Schweine, nur ist es nicht moeglich, an diese Resourcen
zu kommen wegen den Militaers (UPC-ethnics).
Hemas ist zurzeit im Besitz Bunias und den Lendus (andere ethnics,
zurzeit im Norden von Bunia in den umliegenden Doerfern).
Haueser werden gepluendert, leerstehend oder nicht, Felder und Haeuser
zerstoert. Die Hemas und Lendus in der Bevoelkerung verstehen sich
untereinander, nur ihre Anfuehrer haben Angst, Macht und Einfluss zu
verlieren.
Darum ist es wichtig, nach meiner und auch anderer Meinung
(Pater Joe, NGO), dass die Force International ganz Ituri entwaffnet
und eine interne Polizei temporaer die Ordnung uebernimmt.
Geplant ist so eine multi ethnic Police. Die gleiche SCHEISSE wie in
Ex Jugoslawien.

Gruesse aus Bunia

Nachtrag 1. Juni, 08:15
Im Moment ist es ruhig, in den letzten 24 Stunden hat es Kaempfe im
Westen von Bunia gegeben mit ca. 25 Toten, wir haben keine Angaben
wer die Opfer sind: Zivile oder Rebellen. Tippe auf Rebellen.

Lieber Denis,

Im ZDF war gerade ein ausfuehrlicher Bericht
ueber den Kongo. Die UNO wurde eine
"zahnlose Organisation" genannt, die niemanden
mehr beeindrucken wuerde. 1500 Leute seien absolut
nichts, wenn man bedenkt, dass Kongo so gross
wie Westeuropa ist. Ein UNO-Offizier
(Daniel Vollot) wurde interviewt, die Moderation
hat immer wieder polemisiert, dass dieser keine
konkreten Antworten auf die Fragen (Zukunft,
Massnahmen zum Schutz der Zivilbevoelkerung etc)
geben konnte.
Ein Mitarbeiter eines deutschen
Konfliktforschungsinstituts war der Ansicht, dass
Truppen der Staerke 50'000 bis 100'000 noetig
waeren, um im Kongo etwas auszurichten.
Ein lange dauernder, immer wieder zivile Opfer
fordernder Konflikt sei zu erwarten.

Gruss
Andreas

4. Juni, 19:11

Col Daniel Vollot hab ich in Bunia getroffen, er ist der Sector Commander,
und hat seinen Scheissjob verdammt gut gemacht, d.h. er hatte den
Auftrag, das Machtvakum welches nach dem Abzug der
Ugandischen Armee enstanden ist zu stopfen.
Was mit den Mitteln der MONUC eigentlich nicht machbar ist.

Was klar gestellt werden muss, ist, dass die MONUC nur den
Chapter 6 Status besitzt, dass heisst Selbstverteidigung
ist erlaubt und nicht mehr.
Chapter 7 gaebe der MONUC das Recht, aktiv (mit Gewalt)
in Aktionen (z.B. mit Gewalt gegen Zivilisten
oder andere Dritt-Personen) einzugreifen. 
Es braucht auch nicht 100'000 Sdt., da man ja nicht den ganzen
Kongo besetzen muss, sondern es geht erst mal um die Stabilisierung
von Ituri (so gross wie die CH).
Muss auch erwaehnen, dass die Zahl von 1500 nach meiner Ansicht
auch zu klein ist. Aber darueber entscheiden die Regierungen.

Gruss Denis
Donnerstag, 5. Juni, 17:00

Gruezi,

ich habe letzte Woche das Fluechtlingslager beim Flughafen
von Bunia besucht. Es sind dort ca. 1800 Familien "untergebracht".
Es hat dort eine Nahrungsmittelverteilung von einer deutschen NGO
stattgefunden. Jeweils eine Ration fuer 21 Tage.
Die Verteilung verlief extrem diszipliniert, ohne Hektik.
Es wurden 10 Gruppen gebildet, die dann den Food untereinander
selbst verteilten. Das klappte ohne Probleme.
Wenn der Nachbar nichts hat, wird er zum Essen eingeladen,
auch wenns ziemlich duerftig ausfaellt.
Die Stimmung unter den Fluechtlingen ist erstaunlich gut, schon beginnt
der Handel am Rande des Lagers wieder zu laufen und man hat das Gefuehl,
als gaebe es wieder so etwas wie Ordnung in diesem Chaos.
10. Juni, 16:05: Malembe !

Telefongespraech:

- Kann ich einen Wagen haben ? (Dispatch = Personentransport der MONUC)
--Ja, kommt gleich. 
- Wann ist gleich ?
--Gleich.
So weit so gut, nach 3/4 Stunden
(es war Sonntag und die hatten nicht viel zu tun):

- Wo bleibt der Wagen ?
--Kommt gleich.

Nach 1 1/2 Stunden sass ich bereits im Wagen.
Also fuer den Duden: Gleich heisst neu definiert 1 1/2 Stunden.
Aber was sind schon 1 1/2 Stunden im Kongo ?

Hatte den ultimativ herausfordernden Auftrag, 12 CDs bei der IVECO,
unserem Logistik Camp, welches sich ca. 8 km entfernt vom HQ befindet
zu beschaffen.
Naiv wie ein Schweizer nur sein kann, laechelte ich dem Buerogummiverwalter
meinen Wunsch nach CDs entgegen. Ein Laecheln wurde mir nicht gewaehrt,
ich bekam ein Formular unter die Nase gerieben: Ein Antrags-Formular.
No Problem, ausfuellen und hopp die CDs.
Wieder falsch gedacht, dazu braucht es die Unterschrift von meinem Chef
und wo ist der Chef, he ? Genau, im HQ. Dass es eilt, weil die im HQ
auf die CDs warten, damit sie Daten fuer die Franzosen runterladen
koennen und die Zukunft von Kongo auf dem Spiel steht, interessierte
niemanden. Habe Geld, ID-Karte, meine Schuhe etc. angeboten als Pfand
und hoch und heilig versprochen, sie bekaemen die Unterschrift
nachtraeglich. Nada, niente, nem, NEIN.

Also back zum HQ und wieder zur IVECO, dann ein Stempel, ab zum naechsten
Gebauede, dem Materiallager. Schon fast rekordverdaechtig war
die halbe Stunde, die der nette VOLLIDIOT brauchte um eine Schachtel
vom Regal zu nehmen. Das Ganze dauerte ueber 3 1/2 Std.
Bin die ganze Zeit die Ruhe in Person gewesen habe mich ueberhaubt nicht aufgeregt!
Malembe, malembe. Was soviel heisst wie: Langsam, ganz ruhig,
immer easy auf Lingala.

Wir haben die Uhren, die da haben die Zeit. 
Was doch auch ganz schoen ist, nicht ?

Malembe

Denis
Hallo Denis,

im Spiegel ist heute ein Artikel drin, in dem steht,
dass UNO-Beobachter von Milizen gefoltert, kastriert
und zerstueckelt wurden. Grusig.
Hast Du davon etwas gehoert ? Waren das die Leute,
an deren Beerdigung Du warst ?

Gruss
Andreas

14. Juni, 9:50

Richtig, die zwei MILOBs wurden am 13. Mai in Mangbwalu ermordet. Das liegt
ca. 50 km nordwestlich von Bunia.
Ermordet, weil sie nicht in einer militaerischen
Aktion getoetet wurden, sondern mit Absicht hingerichtet.
Nach letztem Bericht des Untersuchungsteams wurde ihr Fahrzeug angehalten,
dem Fahrer in die Stirn geschossen und dem Beifahrer, der ausstieg um
seinem Kollegen zu helfen von hinten ins Genick.
Anschliessend wurden ihre Leichen in ein Haus gebracht und mit der
Machete zerstuemmelt.
So hoffen wir dass sie nicht gefoltert wurden.

Denis
15. Juni, 13:30

Franzoesische Truppen haben in den letzten zwei Tagen mehrere Schuesse
auf Milizen, sprich in die Luft abgegeben. Sie waren auf Patrouille
und sind Lendus und Hemas begegnet, die sich bekaempften.
Sie konnten mit ihren Schuessen die "Banden" auseinander treiben.
Die Rebellen haben quasi null militaerische Ausbildung und sind schlecht
gefuehrt. Ein wenig Bellen genuegt in der Regel um die Kindersoldaten
einzuschuechtern.
Ich habe einen Kiwi (Neuseelaender) getroffen, der als Zivilist fuer
die MONUC auf dem Flugfeld in Bunia arbeitet.
Als ihm ein kleiner Soldat die Kalaschnikow an den Bauch hielt, hat
er ihm kurz eins an die Ruebe gedonnert. Dann war Ruhe.
Gegenwehr sind die Soldaten von den Locals nicht gewoehnt.
Also ist das dominante Auftreten insbesondere der Franzosen
fuer die Rebellen gerade ein wenig zu viel, allerdings
darf man nur nicht anfangen diese zu unterschaetzen, es sind doch ca. 4000
und sie gewoehnen sich auch an die neue Situation.
Auch gibt es neben all den Kindern Soldaten mit Kampferfahrung. 
Fuer einen groesseren Einsatz sind die Franzosen noch nicht bereit.
Die Patrouillen dienen lediglich zur Lagebeurteilung und um Praesenz
zu markieren.

Gruss
Denis
18. Juni, 18:30

Zur Erinnerung:
Ein russisches Transportflugzeug verlor ca. 170 Kongolesen
ueber dem Kongo,weil die Heckklappe sich oeffnete.

Wir warteten in Kisangani auf eine Flugverbindung nach Bunia,
da der Helipilot erkrankt  war.
Es wurde eine Casa (kleine Transportmaschine, 18 Plaetzer)
in Kindu umgeleitet, um uns nach Bunia zu spedieren.
Da sassen wir also zusammengequetscht wie Kongolesen in Kinshasa
am Morgen,wenn sie in ihren (ehemals unseren) "Autos" in die Stadt
fahren.
Unser Flugobjekt hatte auch eine solche ominoese Heckklappe,
und schon beim verschliessen derselben konnte man ein paar
aufmerksame Augen beobachten, die den Verschliessvorgang
ganz genau mitverfolgten. So weit so gut, ab gings in die
Luft und schon fing das Theater an. Ein Gedonner kam vom Heck her,
und schlagartig waren alle 18 Augenpaare "vor Freude strahlend"
und die Unterhaltung dem Heck gewidmet... sogar der Copilot
(ich hoffe wir hatten vorne noch jemanden, der die Maschine flog)
hat sich fuer das Unterhaltungprogramm interessiert.
Das Geschichte endetet ganz unspektakulaer, es handelte sich
um einen Spannriemen, der zur Heckklappe raushing.
Und so genossen wir die Langeweile des restlichen Fluges.
25. Juni, 11:00

Guten Morgen Aste,

Bin zur Zeit immer noch in Kinshasa HQ, hoffe aber bald wieder mal
an die Orte des Geschehens gehen zu koennen.
Sitze hier zwar an der Quelle der Infos, nur ist der PC Bildschirm
nicht selbsterklaerend wie der Blick vor Ort.
In Bunia, im Nordosten vom Kongo, sind jetzt 753 Multi National Forces
stationiert, und in Entebbe (Uganda) weitere 612.
Verhandlungen mit der UPC haben ergeben, dass diese Bunia innerhalb von
24 Stunden verlassen muessen. Bis auf Lubanga (der Leader der UPC)
zus. mit 30 Soldaten zu seinem Schutz und zwei Fahrzeugen.
Friede Freude Eierkuchen ?
Nicht ganz, die Lage rund um Bunia  wird damit um so angespannter.
Pluenderungen, Vergewaltigungen und Ueberfaelle werden kaum aufhoeren.
Es werden rund um Bunia auch immer wieder Doerfer von LENDUS oder HEMAS
angegriffen. Die Lage in Kivu (ca 200km suedlich von Bunia) hat sich
auch zugespitzt. Die RCD-Goma (von Ruanda unterstuetzt) stoesst Richtung
Norden vor. Wir vermuten, dass sie einen Zusammenschluss mit der
UPC suchen, um somit die Kontrolle ueber den Nord-Kivu und Ituri zu
bekommen. Was bedeutet, dass sie den Zugang zu den Naturresourcen
haben: Gold, Kobalt etc. (GELD und MACHT).
Zwischen der RCD-Goma und der UPC befindet sich noch die RCD-K/ML
(von der Regierung unterstuetzt). Beide Parteien konzentrieren ihre
Kraefte im Nordkivu, wo in den naechsten Tagen sicher die Post
wieder mal abgeht. Es werden zwar Verhandlungen gefuehrt, und es wurden
schon viele Papiere unterschrieben.
Ich habe so manchmal das Gefuehl, dass man hier der Ansicht ist,
was unterschieben ist, sei erledigt.

Oticalaz (Lingala, Guten Tag)

Denis
Betreff: Scharlatan
Sachen, die's gar nicht gibt.

Donnerstag, 19.06.03
Habe einen Telefonanruf von der Schweizer Botschaft in Kinshasa bekommen,
mit der Anfrage ob uns ein Minenunglueck im Osten vom Kongo bekannt sei.
Ein Fahrzeug sei auf eine Mine gefahren. Unter den Verletzten soll sich
eine Ordensschwester aus der Schweiz befinden.
Die CH Botschaft wurde vom Bischof in Lubumbashi informiert. 
Der zustaendige Sector Commander, den  wir angefragt, haben wusste
nichts von einem Vorfall mit einer explodierten Mine.
Die Botschaft hat mich dann nochmals angerufen um mir zu sagen,
dass sich die angeblich verletzte Person fit und munter in der Schweiz
befindet.
So habe ich den Bischof angerufen um ihn um genauere Angaben zu bitten,
wann, wer, wo, was, wie, etc. Er hat mir dann erklaert es sei nicht
ein Minenunfall gewesen, sondern ein Verkehrsunfall. Drei Personen
seien verletzt, darunter eine Schweizerin und zwei Kroatinnen,
alle drei Ordensschwestern. Sie seien zurzeit in der Obhut einer
Dioezese und wuerden notfallmaessig versorgt. Und er organisiere
jetzt die Rueckschaffung der Opfer in ihre Herkunftslaender.
Ich solle morgen nochmals anrufen, dann wisse er mehr.

Freitag, 20.06.03
Gesagt getan.
Er sagte mir dass die Rueckschaffung der Kroatinnen gesichert sei,
nur von der CH Botschaft habe er nichts mehr gehoert.
Ob nicht die MONUC  den Transport zum Flughafen uebernehmen koenne.
Mit einem Fahrzeug oder einer Geldueberweisung. Habe dann sofort der
Botschaft angerufen, die hatte aber schon geschlossen und die Wache
hat mir gesagt, ich solle am Montag wieder anrufen. Nach dem ich
erklaert hatte, dass es sich um einen Notfall handle,
hat man mir eine Notfallnummer widerwillig  ausgehaendigt.
Und jetzt kommt der Gipfel der Frechheit...
aber den Schluss der Geschichte berichte ich ein anderes Mal,
ich hab keine Lust mehr zu tippen.

Gruss Denis
Sonntag, 29. Juni 2003

Party, Demonstration, Manifestation ???

Ich sitze wieder mal da und versuche das in Worte zu fassen,
was andere sehen und vor allem hoeren sollten.
Sonntag Morgen um 06.45. John holt mich beim Hotel ab
(mein letzter Tag im Grand Hotel, wo ich fuer einen Monat
1950.- DOLLAR bezahlte, ich ziehe nun fuer eine Woche zu zwei
NGOs und dann zu den Englaendern).

Nicht auf eine Party gingen wir, sondern in die Kirche.
Sind dort also angekommen und haben uns gerade nicht mehr
einsam gefuehlt, ca. 400 Kongolesen in einer riesigen zur Kirche
umfunktionierten Lagerhalle. Und da war schon eine eindrucksvolle
imposante Mama auf der Buehne und hat die Masse mit ihrer
maechtigen Stimme fuer die Predigt angeheizt. Die Dame
hat einem zu verstehen gegeben was man zu glauben hat.
Haette ihr auch nicht um alles in der Welt widersprochen,
da sie ein doch sehr energisches Auftreten hatte.

Dann ging die Party los, ein Chor hat angefangen zu singen und
die Masse zu tanzen. Nicht ein zaghaftes Mitwippen wie wir beiden
Bleichgesichtern es praktizierten
(falls Gott auch schwarz ist waren wir die einzigen),
eher Richtung Vollgas das Ganze.
Anschliessend die Predigt, jedes fuenfte Wort war Halleluja und 
"vous comprenez ?", was sich eher  nach einem Befehl anhoerte
als nach einer Frage. Und immer wenn in der Predigt etwas Positives
oder Schoenes vorkam, groehlten, schrien, pfiffen die Leute
frei dazwischen wie es ihnen gerade im Sinn war.
Sie hatten Trillerpfeiffen, Rasseln und mehr zur Hand.
Die Momente, bei denen bei uns in der Kirche die absolute Stille
herrscht, wenn jeder fuer sich betet (falls er dies auch wirklich tut,
das kann man ja nicht kontrollieren)...
Nicht so hier, die Leute fangen an -jeder fuer sich-
sehr laut zu beten, was mit Haenden und Fuessen noch zusaetzlich
untermalt wird. Man koennte beinahe Angst bekommen, 400 Menschen
in Extase, wow, die ihre Anliegen dem da oben im Himmel sehr
lebhaft mitteilen.

Der Priester wollte dann noch, dass alle, die das erste Mal hier sind,
zu ihm nach vorne kommen. Damit die Gemeinde sie begruessen kann.
Da John schon einmal da war, waere es also mein Part gewesen.
Da ich aber meine Aufgabe als Beobachter sehr ernst nehme,
habe ich die ganze Sache weiter aus der hinteren Reihe beobachtet,
von wo aus ich auch den besseren Ueberblick hatte.
Die ganze "Party" dauerte gute 2 1/2 Stunden.

Halleluja

Denis
30. Juni, 12:30

Schluss der Scharlatan-Geschichte:

Istvan, ein Botschaftsmitarbeiter oder wie man die so nennt, hat mir
erzaehlt, dass der sogenannte Bischof eine aehnliche Story schon der
Hollaendischen Botschaft aufgetischt hat, natuerlich mit einem
hollaendischen Opfer.
Er verlangte auch dort Geld fuer die Rueckschaffung.
Wir liessen also die ganze Sache im Sand verlaufen,
und unser "Bischof" hat sich seltsamerweise auch nicht mehr gemeldet.

Denis
13. Juli, 14:00

(Mein) Alltag in Kinshasa

Tagwache je nach Wohlbefinden und Aussentemperatur
so zwischen 06:00 und 07:30.
Anschliessend Fruehstueck oder so was aehnliches mit den 4 Englaendern,
mit denen ich eine Villa mit Pool teile. Wobei man nur von Villa
reden kann, wenn man die ganze Sache aus 20 Metern Abstand betrachtet und
von den Tuerfallen, die in der Hand liegen bleiben, den Mauesen und ... absieht.

Dann ab ins HQ, ich bin Dank der multinationalen Wohn- und Kultur-
gemeinschaft nicht mehr dem Dispatch (UN-Personentransportsystem)
ausgeliefert. Bei jedem Stop wird versucht, alles Noetige und Unnoetige
wie z.B. Nastuecher oder aufblasbare Natelhalter zu verkaufen.
Neben einem Schlagloch stehen manchmal Zweckoptimisten, die Geld
wollen, weil sie das eben erwaehnte Schlagloch mit Sand aufgefuellt haben.

Im HQ erst mal E-Mails checken, natuerlich zuerst die der MONUC,
das heisst Rapporte aus allen (sechs) Sektoren.
Und dann gehts schon los mit "SRGS in the room" (unser Forcecommander),
und wir stehen mal alle schoen auf (auch Marc muesste aufstehen!!!)
und setzen uns dann wieder gemeinsam, um dem Morning Briefing zu lauschen.
Die ersten zwei Wochen habe ich ca 0-10% verstanden, jetzt bin ich
bei ca. satten 50%.
Die Briefings werden von Pakistanis gehalten, und deren Englisch ist
-ich kann mich aus internationalen Interessen nicht weiter dazu auessern.
Nur soviel: die Englaender haben mir anvertraut, dass sie auch nicht
alles verstehen.
Anschliessend versuchen wir Informationen zusammenzufassen,
so dass diese ein vernueftiges Bild ergeben. Bei Anfrage briefen
wir auch Neuankoemmlinge ueber die Situation in den Sektoren oder
nach Wunsch thematisch. Viel Zeit brauchen wir auch um die Infos
zu bekommen, sei es via Telefon, E-Mail aber auch durch Aussendienst
in Kinshasa oder im Rest vom Kongo, was dann gerade ein paar Tage
beansprucht, da nicht alle Sektoren taeglich und schon gar nicht direkt
angeflogen werden.
Botschaften, NGOs und Locals besuchen und bla bla machen. Was eigentlich
ganz interessant ist, nur wenn man endlich glaubt, etwas zu begreifen,
hoert man wieder eine neue Version und man hat das Gefuehl, man stehe
wieder am Anfang.

Die meiste Arbeit besteht aus Routine, im HQ Daten abspeichern und zwar so,
dass man sie wieder findet.
Ueber Nachtessen und Ausgang beim naechsten Mal, muss jetzt mal raus,
Kongoluft schnuppern.

Mittagspause nach Lust und Laune, und Feierabend so zwischen
17:30 und 19:30.

Fortsetzung (13. Juli, 22:30):

Ausgang besteht in Kinshasa aus Nachtessen in einem Restaurant.
Man hat die Wahl von chinesisch bis portugiesisch.
Das Essen ist echt super und die Atmosphaere sehr angenehm.
Die ganze Angelegenheit ist nicht ganz billig, man legt schon
gut und gerne 18-30$ hin. Was im Kongo einem halben Monatslohn entspricht,
und das bekommt man zu spueren wenn man das Restaurant verlaesst und
sieht, wie Leute auf der Strasse uebernachten und ihr ganzes Hab und Gut
besteht aus einem kleinen Packen.
Ist sehr gewoehnungsbeduerftig, aber eben fuer uns unmoeglich zu aendern,
bzw. sicher nicht indem wir diesen Leuten Geld zustecken.
Es gibt Discotheken, Bars und Pubs wie in jeder Stadt, speziellere
und weniger spezielle. Eine etwas andere Bar ist auf einem Flachdach in
einem Wohnviertel, gute live Musik und eine tolle Atmosphaere,
da mehrheitlich Kongolesen den Takt angeben. 
Oft geht man zu Hauspartys von Leuten, die man eigentlich nicht direkt
kennt, aber man ist durch andere eingeladen.
Das ist immer interessant, auch um Beziehungen zu knuepfen fuer die Arbeit,
denn die Gaesteschar besteht meistens aus Botschaftsangestellten,
NGOs, MONUC, UNICEF und UNHCR.
Cool so mit Abkuerzungen herumzuschmeissen.

Nachtrag, 16. Juli 15:00

SRGS=
Special Representive of the Secretary General of the United Nations,
nicht Sergeant oder so.
Wegen einem Sergeant wuerden wir nicht aufstehen. Smile.

Denis
Kinshasa, 23.07.03, 09:50

The security situation remains calm
Lage der Nation, aus unserer Sicht im HQ in Kinshasa.

Der Kongo ist in drei Teile zersplittert, der Westen und der Sueden sind
in den Haenden der Regierung von Kabila und der Osten und Norden
in den Haenden von Rebellen, sprich der MLC (Nord) und RCD-Goma (Osten).
Das war jetzt eine ganz ganz einfache Version der Situation.
Nun haben es die drei Parteien geschafft und sind unter der
Federfuehrung der MONUC und anderen Organisationen ueber ihren
Schatten gesprungen: ein Meeting hat in Kinshasa stattgefunden.

Jeder Rebellenfuehrer hat Anrecht auf 110 Bodyguards. Das bedeutet,
es wimmelt nun von Soldaten in Kinshasa, denn wer kann diese Typen
schon zaehlen.
Nur die RCD-Goma sind einfach zu erkennen, die Meisten tragen
Gummistiefel, ueber ihr Fussklima weiss ich allerdings nichts
Genaueres da ich noch nicht genug nahe an sie rangekomen bin.
Nur, Goma ist bekannt fuer sehr guten Kaese, da kommen schon einige
Bedenken auf.
Fertig mit Kaese, die Herren haben sich zusammengesetzt und haben
sich auf eine gemeinsame Uebergangsregierung mit Kabila als President
geeinigt, um demokratische Wahlen in zwei Jahren durchzufuehren.
Die Regierungaemter wurden aufgeteilt, und nun herscht
Friede Freude Eierkuchen.
Wenn ich mit Kongolesen spreche, so sind diese zuversichtlich, dass sich
nun der Frieden durchsetzt. Nach fuenf Jahren Krieg und drei
Total-Pluenderungen von Kinshasa sind die Menschen des Krieges muede,
und so klammern sie sich an jedem Strohhalm.
Da wir Militaristen immer alles schwarz sehen und auch Murphys Law besagt,
dass wenn man das Gefuehl hat alles sei im Lot, die Kacke erst zu dampfen
beginnt, trauen wir der Sache nicht ganz.
Erstens haben die oestlichen Nachbaren wie Ruanda und Uganda
kein Interesse am Frieden, weil das ihnen den Zugang zu den
Naturresourcen  erschwert. Zweitens hat es in der neu
gebildeten Regierung wieder zuviele ehemalige Mobutu Anhaenger, was der
Korruption und der Geldhinterziehung "zugute" kommt.
Drittens kann die unkontrollierte Ansammlung von Soldaten in Kinshasa
zu einem Sicherheitsproblem fuehren.
Persoenlich glaube ich an eine Chance fuer den Kongo unter der Bedingung,
dass auslaendische Firmen bereit sind hier zu investieren.
Damit der Staat wieder zu erarbeitetem Geld kommt.
Solange die Infrastruktur (Gesundheitswesen, Soziales,
oeffentlicher Verkehr usw) nicht gewaehrleistet ist, bleibt der
Kongo ein riesiger Wackelpudding.

Denis
Freitag, 1. August 2003

Kongo gruesst Schweiz

Werde bald wieder einmal in die Tasten hauen, diese Woche war ich
etwas busy.
Wir haben den Auftrag gefasst, einen Bericht ueber die Sicherheitslage
in Kinshasa zu verfassen und eine Einschaetzung zu geben, wo die
naechsten Massaker im Ituri (Nord-Ost) stattfinden koennten.
Fuer den ersten August bin ich in die Botschaft eingeladen worden,
vielleicht bekomme ich auch eine Bratwurst ab !!!!

Gruss

Denis
Dienstag, 5. August

Wochenende im Kongo, was unternehmen wir denn ? Gut, wir gehen campieren.
Wir, das waren 10 Personen aus sieben verschiedenen Nationen von
vier verschiedenen Organisationen, so richtig multikulti. 
Da heisst es immer wir Schweizer seien die am besten ausgeruesteten
MILOPs, ich musste mich aber eines Besseren belehren lassen:
Es sind die Kanadier.
Die sind zu fuenft im ganzen Kongo, haben aber ca. 10 Zelte,
8 Benzinkocher (Dragonfly), Feldbetten und und und zur Verfuegung.
So sind wir am Samstag mit drei Fahrzeugen um 12:00 in Kinshasa gestartet.
Nach einer halben Stunde der erste Plattfuss.
Was keine grosse Affaere gewesen waere, wenn wir den Schluessel fuer das
Reserverad, dass im Kongo besser eingeschlossen wird, gehabt haetten.
Doch bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt: Hat echt Spass
gemacht mit meinen zarten Buerohaenden den Hammer zu ergreifen
und das Schloss zu zertruemmern, echte Handarbeit.

Nach 2 1/2 Stunden Richtung Norden sind wir noch sechs Kilometer Piste
gefahren und  auf einem kleinen Huegel mit so einer Art Zeltplatz
angekommen. Ganz nett.
Noch netter war der Fluss, der sich durch das gruene Tal zog.
Wasser, so frisch und klar, mit einer sanften Stroemung die dir die Wahl
nicht laesst, ob du reinspringen willst oder nicht.
Man springt und bereut es nicht.
Abgesehen von den Krokodilen, den Schlangen und den Piranhas war es
fast ein Stueckchen Himmel im Vergleich zu Kinshasa.
Die ganze Gegend laedt zu einem Rundgang ein und man fuehlt sich wie
in Afrika. Loewen, Elefanten, Zebras, alles Tiere, die es in dieser
Gegend nicht mehr gibt, da ausgerottet.
Tatsaechlich haben wir das ganze Wochenende keine Tiere zu Wasser und
zu Land gesehen, ausser einem Hasen und Termiten.
Die Zeltstadt aufgeschlagen, den Bauch mit Barbecue vollgeschlagen.
Den Kongo Konflikt aus dem Kopf verbannt und die Kuehle der Nacht
(und sie war kuehl) genossen.
Am Sonntag, nach ausgiebigem Baden und Rumhaengen, gings wieder
zurueck nach Kinshasa, zurueck auf die Erde.

Sitze im Buero und bin aufgewacht; die Wirklichkeit hat mich wieder.

Denis
11. August 2003, 13:00

Ich hatte meine Dollars schon gebuendelt und wollte
einen Flug fuer Suedafrika buchen. Die Strassen in Kinshasa
sind voller Hindernisse, doch das eigentliche Hindernis
war mein Chef. So habe ich 2 1/2 Wochen Uganda gebucht:
Ich wurde kurzfristig Mitglied in einem weiteren Untersuchungsteam.
Unsere Aufgabe ist diesem Fall: die humanitaere Lage in der
Grenzregion vom Itur (dem Nord-Osten Kongos) und Uganda zu
untersuchen. Wir werden uns mit Politikern und NGOs treffen
und Fluechtlingslager besuchen.
Ich werde also fuer ca. 3 Wochen von eurem Computerbildschirm
verschwinden.

Dass uns in Kinshasa nicht langweilig wird, dafuer hat unser
Hausbesitzer gesorgt, diese Ausgeburt kongolesischer Krankheit
(die Gier nach Geld und Luxus) hat uns gekuendigt.
Er wollte, dass wir innerhalb von 2 Wochen ausziehen, wir konnten uns
schliesslich auf vier Wochen einigen. Man ist hier machtlos
gegenueber den Launen solcher Geschwuere der Gesellschaft,
da es praktisch kein Gesetz gibt.
Da kam mir die Idee das Geschwuer zu entfernen und schlug vor, fuer 200$
einen Killer anzuheuern, aber die Mehrheit der Mitbewohner
war dagegen und so habe ich mich eben der Demokratie gebeugt.

Denis
Samstag, 23. August 2003, 18:00

Mission impossible ?

Wir sind also via Nairobi in Kampala angekommen und haben Kontakt
mit Exil-Kongolesen, NGOs, Ministern und Generaelen aufgenommen.
Im gleichen Hotel wie wir war auch Gen. Jerome, der Fuehrer der FAPC
(Rebellengruppe im Norden vom Ituri).

Was der wohl in Uganda macht ? 

Wir glauben es zu wissen, aber eben, glauben reicht auch hier nicht
um zu handeln. Also versuchten wir unseren Glauben zu beweisen,
was einfacher gesagt als getan ist. Nach zwei Tagen sind wir mit
zwei UN Autos nach Fort Portal im Westen Ugandas gefahren.
Uganda ist ein mega schoenes Land, sehr abwechslungsreich.
Es hat dort alles, was man von Afrika erwartet: Urwald, Savanne, Seen
und viel Fleisch in Form von Kuehen, Affen, Wildschweinen,
Antilopen, Leoparden, Elefanten etc.
Ich habe das alles selbst gesehen ohne zu traeumen, wers nicht glaubt
soll selber kommen. Der Tourismus ist hier im auch im Aufbau. 
Von Fort Portal aus sind wir dann an die kongolesische Grenze gefahren,
wo es in den Doerfern eine Menge Fluechtlinge hat.

Haben mit unzaehligen Kongolesen gesprochen und Rapporte aufgenommen,
um die Situation im Ituri einschaetzen zu koennen. Die Doerfer
liegen in der Pampa und unsere Autos kamen nahe an ihre Grenzen,
die Regenzeit hat angefangen und somit war die Schlammschlacht perfekt.
Ich glaube, es hat nicht allen speziell viel Spass gemacht.
Ich auf jeden Fall hatte meine Freude daran.
Uebernachten konnten wir bei der Firma, die in Uganda (aber auch im
Kongo, wenn es die Sicherheitslage erlaubt) nach Oel bohrt.
Die sind sehr gut organisiert, und so hatten wir freie Kost und Logis.
Und sassen auf der Quelle: Auf der Oelquelle, aber vor allem auf der
Quelle fuer Infos.
Gerade die Resourcen machen diese Gegend so umkaempft. 

An Aste:
Muss gleich mal was fuer meinen Boss schreiben, melde mich in den
naechsten Tagen wieder !

Gruss Denis 
Montag, 8. September,  19:00.

Wir haben also Fluechtlinge interviewt, so an die 100 und haben
eine Menge ueber die Massaker im Ituri erfahren oder konnten Infos
verifizieren, die wir bereits hatten. Kanibalismus ist hier
sehr aktuell, die "Soldaten stehen unter Drogen und sie
handeln im Glauben, dass sie der Verzehr speziell von Herz, Leber und
Geschlechtsteilen unverwundbar macht. Die Opfer werden in
Stuecke zerteilt, um den Transport zu erleichtern.

Die ganzen Rapporte werden fuer das Kriegstribunal erstellt,
das mal irgendwann in Aktion treten sollte. Es grenzt ja schon
an Perversion, dass wir mit Leuten wie Jerome, Lubanga oder Germaine
(alles Rebellenfuehrer, die maechtig Dreck am Stecken haben)
am gleichen Tisch sitzen und uns mit denen unterhalten.
Bei unserem Treffen in Kampala mit General Jerome (er sieht
sich als offiziellen Machthaber vom Nordituri) habe ich ihn gefragt,
wie sie (die FAPC=Rebellengruppe) die Justiz handhaben.
Er hat mir gesagt, diese finde auf der Strasse statt, der Mob
entscheidet und es wird auf Platz exekutiert, das Ganze dauere 15 min.
Auf mein Entgegnen, dass dies nichts mit Recht und Ordnung zu tun
haette und sich nur Wilde so verhalten wuerden, hat er mich nur doof
angegrinst. Was ich ja ertragen haette, wenn nicht unser
Political Affairs Officer sich bei Jerome fuer mich entschuldigt
haette, indem er ihm sagte:

Sorry, er ist halt Schweizer.

Das ist es was nervt, die Politiker oder Diplomaten behandlen diese
Kriegsverbrecher wie nette Bekannte beim Kaffeekraenzchen und mit
Schulterklopfen. Einfach Pfui.

Die ganzen Rebellenfuehrer sind dann am Nachmittag mit dem Flugzeug
der UN nach Kinshasa geflogen, an den Verhandlungstisch statt von
mir aus ins Gefaengnis. Mein Vorschlag, das Flugzeug abzuschiessen
und somit die Geschwuere zu beseitigen wurde von Seiten der
Human Rights, Militaer und Polizei und sogar einem Priester unterstuetzt,
nur die Politicals wollten wieder mal nicht. Hmm, da ist man mal
kreativ und schon wird man wieder abgeblockt.

In Ntoroka (Uganda) am Lake Albert haben wir ein Fluechtlingslager
besucht und ein Kongolese hat uns offeriert, natuerlich gegen Geld,
uns mit seinem Boot zu einem eine Stunde weit entfernten Dorf zu
bringen, wo sich ein Arzt in einem Spital, in dem ein Massaker
statt gefunden hat, aufhaelt. Das Holzboot war ca. 8 m lang und
2 m breit. Der Aussenbordmotor hatte ganze 9.9 PS (lachhaft) und
er war zu kurz, reichte also nicht ins Wasser. Wir mussten also
alle ganz nach hinten sitzen und das erste Mal in meinem Leben sah
ich Leute, die Wasser ins Boot schoepfen und nicht raus.
Ich sage nur Kongo. Das ganze Spektakel dauerte dann 3 Stunden,
weil der Geizhals die alte Zuendkerze, die immer spukte, fertig
verbrauchen wollte und die Neue erst fuer die Rueckfahrt einsetzte.

Wir sind dann wieder fuer zwei Tage nach Kampala und von dort aus
mit dem Auto nach Arua, noerdlich des Lake Albert.
In Arua wird Grosshandel mit dem Kongo betrieben. Tabak, Holz,
Diamanten, Gold und mehr wechseln nach Abgabe von Zollgebuehren
- oh sorry, ich sollte sagen: Jeromes Almosen Kollekte fuer seinen
"leeren" Hosensack - den Besitzer.

Nach langem Ringen mit dem MONUC HQ in Kinshasa, das uns wegen der
Sicherheitslage nicht die Erlaubnis zum Passieren der Grenze geben 
wollte, was sie ja aus Kinshasa "bestens" beurteilen konnten,
bekamen wir endlich gruenes Licht.
Zwei weisse UN Fahrzeuge, sechs Zivilisten darin (wir haben in zivil
gearbeitet) und die Kongolesen verstanden die Welt nicht mehr.
Und wir auch nicht. Die Menschen jubelten und tanzten entlang der
Strasse, als sie uns sahen. Nach mehr als vier Monaten das erste
Fahrzeug der MONUC, fuer sie die Hoffnung, dass Frieden einkehrt,
bei uns die Gewissheit, dass sich in den naechsten paar Wochen
noch gar nichts aendern wird. Aber die Leute klammern sich an jeden
Strohhalm, den sie kriegen.
Ein Priester hat uns gesagt, allein die Tatsache, dass wir aufgetaucht
seien, wird mehrere hundert Fluechtlinge zur Rueckkehr bewegen.
Ein Gedanke, der mich nicht befluegelt. Niemand kann diesen Menschen
Schutz garantieren. Es ist schon ein Affront, dass sechs Zivilisten
die ersten MONUCs sind. Wenn man bedenkt, dass in Bunia Kampfmittel
zur Verfuegung stehen, mit denen man schon vor Wochen haette
Erkundungsaktionen ausfuehren koennen.

Unsere Aktion hat nichts Heldenhaftes odere Wagemutiges an sich,
da uns schon NGOs (Maltesers, Caritas und Care), die schon seit drei Wochen
vor Ort sind, Informationen ueber die Lage gaben.
In der MONUC will niemand irgendetwas Relevantes entscheiden.
Und so wartet man ab, was so geschieht. Ist doch ziemlich schweizerisch,
die UNO, nicht ?
Die Lage an Ort (im Nord-Ituri, wo Jerome mit seinen Kumpanen
die Macht hat) ist angespannt, aber ruhig, da die Region mehr oder
weniger fest in den Haenden einer Rebellengruppe ist.
Kinshasa, Mittwoch, 17. September, 11:00

War gestern mit einem Militaerbeobachter-Team auf Patrouille.
Wir waren vom Commandanten der Logistic Base der FAC
(Forces Armees Congoleses) um eine Unterredung gebeten worden.
Wir sind also mit ZWEI Fahrzeugen aufgetaucht, damit ein Fahrzeug
ausserhalb des Camps die Stellung halten kann.
Man weiss nie, was die im Schilde fuehren.

Der Major hat uns herzlich empfangen und wir haben ein wenig
small talk betrieben, dann wollte er mit unserem Senior MILOB
(dem Team-Chef) unter vier Augen sprechen.
Was er wollte war Geld, so an die 100$, damit seine Kinder
in die Schule gehen koennen.
Ein Wunsch, den wir ihm auch wenn wir wollten als Milob nicht erfuellen
konnten. Es ist eine Tatsache, dass die FAC seit drei Monaten keinen
Lohn mehr ausbezahlt bekommen hat, und nun Schulbeginn ist.
Viele Kongolesen haben Schwierigkeiten, das Schulgeld aufzutreiben,
und so werden wir taeglich nach Geld gefragt.
Die Armee und die Polizei sind schlecht bezahlt und bekommen
oft waehrend Monaten kein Lohn. Die Folge ist, dass sie sich das Noetige
zum Leben mit der Waffe besorgen.
So haben wir dadurch in Teilen von Kinshasa eine Zunahme von Raub
und Diebstahl.

Wir haben einen Rapport geschrieben und diesen an unsere Chefs
weitergeleitet mit dem Vermerk, dass es angebracht waere, die
bewaffneten Patrouillen der Neutral Forces (das ist eine Truppe
von ca. 400 Sdt fuer die Sicherheit in Kinshasa) in diese Quartiere
zu senden, um einwenig Praesenz zu zeigen.

Hoert sich einfach und logisch an, nur eben ....
bis etwas passiert, das kann dauern.

Malembe
Dienstag, 23. September 2003, 16:15

Prioritaeten

Kinshasa um 7.30 in der Frueh, auf dem Weg zur Arbeit.
Zwischen hupenden und meist ueberladenen Autos, in einem Gewuehl
von Blech und Rauch. In einem Chaos, wo Verkehrsregeln und Ruecksicht
Fremdwoerter sind, gibt es doch so etwas wie Disziplin und Ordnung.

Fuer eine Minute, um 7.30 eben steht alles still: Der Verkehr,
die Passanten, sogar die Moskitos scheinen sich daran zu halten.
Nur einige Neuankoemmlinge, die von diesem Geschehen ueberrascht
werden, bewegen sich noch und werden von boesen Blicken zum Stillstand
gebracht.

Der Fahnenaufzug ist die Ursache dieses Szenarios.
Die Kongolesische Fahne wird gehisst und die Nation steht still.
Um 18.00 natuerlich nochmals das gleiche Spiel, man muss die Fahne
ja auch mal runter holen.

Auch der Kongo hat so seine Prioritaeten.
Dienstag, 23. September, 20:10

Zahlen

- 8 Mio.  Menschen leben in Kinshasa

- 45 Mio. im Kongo

- 4 mal hat Frankreich flaechenmaessig Platz im Kongo

- 300 ethnische Gruppen

- 8000 MONUC Personalbestand

- 1 Milliarde Dollar: Das Budget von der MONUC pro Jahr

- 400 Franc Congolese = 1 $  (1.40 SFr.), also

- 100 FC = 35 RP, 1000 FC = 3.50 Fr

- 100 FC (35 Rp) verdient ein kongolesischer Soldat pro Tag
  (Loehne wurden die letzten Monate nicht ausbezahlt),
  Unterkunft frei

- 3000 FC im Monat (10.- Fr)

- 24 000 - 60 000 FC (90 - 200 Fr) verdient eine Wache fuer das
  Haus oder ein Gaertner etc.

- 40 FC kostet ein kleines Brot

- 600 FC ein Poulet

- 6400 FC ein Pack Cornflakes (ca 22.- SFr.)

- 80 FC eine 33 cl Cola

- 160 FC ein Bier, je nach Restaurant bis zu 1500 FC

- 650 FC eine Toblerone

- 70 FC ein Taxi in Kinshasa (wenn man einen VW Bus mit 26 anderen teilt)

- 8000 FC ein Nachtessen in einem nicht kongolesischen  Restaurant
  (28.- Fr)

- 100 FC einmal Schuhe putzen

- 300-600 FC eine Ananas

- 50 FC ein hart gekochtes Ei

- 10-5000 $ und mehr eine Wohnung pro Monat oder ein Haus

Lohnverhaeltnisse, Preisunterschiede, dass alles entbehrt hier jeder
Logik, und ich verstehe beim besten Willen nicht, wie gewisse Leute
das Leben hier managen...
Mittwoch, 24. September, 10:40

Alles klar,

bin auf dem Sprung nach Suedafrika. Ich bin froh mal etwas anderes zu
sehen und zu hoeren als den Kongo. Wiederum ist im Moment Kinshasa
ein sehr interessantes Pflaster. Die Spannungen zwischen den
Bodyguards der verschiedenen Gruppierungen und der Polizei/FAC
(Forces Armee Congolaise) haben zugenommen und es ist auch schon zu
ernsthaften Taetlichkeiten gekommen. Auch hat die Agressivitaet
in der Bevoelkerung zugenommen, und der Vorwurf, die MONUC
sei untaetig, nimmt zu.
Es ist sehr schwierig, Kinshasa unter
Kontrolle zu halten, wenn nicht sogar unmoeglich.

Gruss Denis
Sonntag, 19. Oktober

Hallo Denis,

bin wieder im Lande. Gibt's was Neues ?

In der Schweiz: Nationalrats/Staenderatswahlen.
                So wie es scheint, starker Rechtsrutsch
                (SVP gewinnt massiv).
                
        Gruss
        
        Andreas

Montag, 20. Oktober

--------------------------------

Hallo Aste,

Schick mal den Blocher in den Kongo, habe da meine Mittel ihn zu entsorgen.
Muss wohl eine eigene Partei gruenden wenn ich nach Hause komme.
Werde noch ein paar Zeilen schreiben, aber lass mich erst den Montag
Morgen geniessen ....

Denis
Mittwoch, 22. Oktober, 18:10, 2003

Mbote la Civilisation,

Wo faengt man da bloss an ?
Ich beginne meinen Bericht mit etwas Positivem.
Die Sonne scheint und die Klimaanlage funktioniert.

Was da in Kinshasa abgeht ist schon hundert Male geschehen
und das Ueble daran ist: Es wird wieder passieren.
Die liebe nette Uebergangsregierung ist der Ansicht, man solle das
Stadtbild in Kinshasa verbessern.
Konkret: Man entfernt die Strassenhaendler mit ihren kleinen
improvisierten "Verkaufsstaenden" und entfernt ebenso die Strassenkinder.
Das spielt sich folgendermassen ab:
Die Polizei oder die Armee rueckt an, und wenn die Besitzer nicht
Knete lockermachen faengt der Spass an. Die Eier werden herumgeschossen,
das Brot zertrampelt, was zu gebrauchen ist wird mitgenommen.
Die Staende werden zerstoert, diverse Utensillien unbrauchbar gemacht.
Das Volk schaut zu und findet es auch noch teilweise amuesant.

Vielleicht bekommt man einen anderen Sinn fuer Humor, wenn man unter
diesen Bedingungen lebt. Vielleicht.
Gewisse Dinge werde ich und will ich nicht verstehen.

Die MONUC macht im Moment reichlich wenig, um zu intervenieren.
Sie haben mit Human Rights, Child Protection und Political Affairs
Kontakt aufgenommen.
Der Apparat ist hier so was von traege, hie und da bekommt man echt
einen dicken Hals. Dass man der Regierug mal tuechtig auf die Finger
haut kommt nicht in Frage, waere nicht diplomatisch genug.
Ich wuerde mich gerne ueber gewisse Leute mit meinen uebelsten
allerhaesslichsten Fluchwoertern auessern.
Aber eben.... ich bleibe ruhig, beherrscht und rege mich nicht auf.
Bin ich Schweizer oder Kongolese ?
Die Strassenkinder werden aufgesammelt und irgendwo wieder ausgesetzt,
das nennt man hier temporaere Problemverschiebung.

Nicht genug; die UN liefert uns Angestellten kostenlos Trinkwassser in
2 Liter Pet-Flaschen. Jetzt gibt es tatsaechlich solche, die Flaschen
an Einheimische verkaufen und zwar fuer 400 FC (1.40 Fr), und erst
noch in grossem Stil. Trinkwasser ist begehrt hier.

Welcher Idiot hat die Todesstrafe abgeschaft ???

Gruss
Denis
Montag, 3 Nov. 2003, 08:50

The Green Room

Den haben wir, besser gesagt drei Leute von der MONUC und zwei NGOs
(Hilfsorganisationen)  eroeffnet.
Eine Kaffee-Bar mit Sofas und Clubtischen. Eigentlich sind wir
nur die Initanten und Investoren. Unsere Idee ist, dass das Ganze
unter der Federfuehrung von Kongolesen laueft. Die Geschaeftsfuehrung
soll fuer einmal kongolesisch und nicht libanesisch oder belgisch sein.

All jene, die im green room arbeiten sind gewinnbeteiligt und
erhalten einen angepassten Lohn.
Das Ganze hat sich dann als nicht so einfach herausgestellt.
Schon bei den Umbauarbeiten hat die kongolesische Arbeitweise uns
sehr hart auf den Boden der Realitaet zurueck gebracht.
Was du heute kannst besorgen, das kannst du auch morgen oder uebermorgen
erledigen. Wenn man den Auftrag gibt, Bodenplatten zu legen und nach
zwei Tagen kommt, um das Getane zu betrachten, findet man einen
Kongolesen da sitzen, die Platten nicht verlegt. Und auf die Frage,
wieso diese nicht verlegt sind, ist die natuerlichste  Antwort:
Man hat mir nicht gesagt, dass ich die Platten kaufen soll.

Sofas werden auf den naechsten Montag versprochen und kommen auch,
aber eben erst am dritten Montag etc etc.
Egal, nun ist " the green room" seit einem Monat offen und faengt an,
sich selbst zu finanzieren. Der Anfang war harzig.
Nun haben wir genug regelmaessige Besucher, die Leute - 50% Kongolesen
und 50% "andere" - schaetzen die ruhige Atmosphaere mit den Sofas und
die gedaempfte Musik, die eine normale Unterhaltung erlaubt.
Den Angestellten konnten wir mit grosser Muehe abgewoehnen, sich jeweils
dreimal vor uns zu verbeugen, wenn wir the green room betreten.
Auch dass es unnoetig ist, sich hundertmal zu entschuldigen wenn sie 
den Tisch abrauemen wollen. Das sie aufhoeren, uns mit "Patron" zu betiteln,
daran arbeiten wir noch schwer. Wenn wir, weiss wie wir eben sind
und erst noch in Uniform, aufmarschieren, loest das bei ihnen Panik aus,
die sich darin auessert, dass man 30 Minuten auf einen Kaffee warten muss.

Ganz nach dem Motto, wenn ich nichts mache, kann ich nichts falsch
machen und wenn man nichts falsch macht kann man nicht entlassen werden.
Habe mir ueberlegt, ob wir uns mal schwarz anmalen sollen um die
Situation zu entspannen .... ???

Denis
Freitag, 7. November, 18:00

Warum "the green room" ?

Uerspruenglich wollten wir die  Kaffee-Bar "Malembe"
(wie schon erwaehnt bedeutet das "ruhig, langsam, Geduld"
etc auf Lingalisch) benennen. Was unserem Konzept, dass es ein
ruhiger Ort werden soll, wo man sich zu trifft und miteinander redet,
gerecht werden wuerde. Malembe ist auch das Schluesselwort schlechthin,
alles laeuft hier Malembe und wenns nicht gerade brennt im Dach und
die Stunden nicht so entscheidend sind, hat das auch etwas Gutes an sich.
Etwas was UNS wohl ein bisschen fehlt.

Doch unsere lieben kongolesischen Stammesgenossen haben uns aufgeklaert,
dass es nicht cool ist, die Bar lingalisch zu taufen.
English sei mega cool und so ist "the green room" geboren worden,
ohne philosophischen und sonstigen hoeherstehenden Gedanken,
ausser dass Gruen halt beruhigend wirken soll.

Das wars schon.
Denis
Samstag, 8. November, 10:20

Wasser !

Habe fest und tief geschlafen und habe von dem sintflutartigen
Gewitterregen nichts mitbekommen. Als wir morgens zur Arbeit fuhren,
hat uns ein Angestellter vom "the green room" angerufen: Wir sollen
sofort herkommen, alles sei unter Wasser. Es war alles unter Wasser.
Circa 30 cm Wasserstand  im Lokal und im Keller Wasser bis an die Decke.
Die Strasse hatte einen Wasserstand von 90cm.
Die Kanalisation, die auch nur "malembe" funktioniert
und es nicht eilig hatte, all das Wasser zu schlucken, hat das ihrige
beigetragen.

Im Keller befinden sich die Tageseinahmen, das Notstrom-Aggregat
und das Warenlager. Macht ja alles nichts, denkt sich der
gut versicherte Schweizer, dafuer gibts ja eine Versicherung.
Richtig gedacht, die gibts, sogar hier im Kongo. Unglaublich aber wahr.
Ob die nun bezahlt und wann sie bezahlt, das wissen wir allerdings
nicht. Noch nicht.

Es hat auch nur 4 Tage gedauert bis unser "Manager" eine Pumpe
organisieren konnte: Man gehe zur naechsten Baeckerei frage nach
einer Pumpe, aber die hatten komischerweise keine.
Was schliesst der Manager daraus ? Es hat in ganz Kinshasa keine Pumpe.
Er schaut das Wasser lange lange an und hofft es verschwinde,
aber es verschwindet nicht.
Aber was solls, die nicht existierende Pumpe war dann endlich da,
leider ohne Stromkabel. Wieso ? Weil der Manager dem Pumpenmann
(ich will damit nicht sagen der sei eine Pumpe, diesen Titel hat sich
schon ein Anderer verdient) verklickert hat, Stromkabel und so, das
sei alles vorhanden.

Schliesslich war der Keller ist leer gepumpt und der Schaden haelt
sich in Grenzen. Und wir warten auf die naechste Ueberraschung,
die uns der Kongo bereit haelt.

Denis
Donnertag, 20. November, 16:20

Bunia, 10/11/03 bis 14/11/03

Bin mit meinem neuen Chef nach Bunia (Ituri Sektor) gezogen,
damit er Einblick ins Geschehen bekommt; was dort so ab geht.
Im Moment befindet sich dort eine Brigade, sprich ca. 4500 Mann
haupsaechlich aus Pakistan, Nepal, Indien, Uruguay und Indonesien,
die die Sicherheit fuer den Ituri gewaehrleisten soll.
Die MONUC hat den Capter 7 (d.h. es ist den Truppen erlaubt zu
intervenieren, also aktiv in Kaempfe einzugreifen und die Bevoelkerung
zu schuetzen).

Wir sind dann auch gleich fuer drei Naechte bei den Nepalesen
untergekommen. Wir haben das Zelt mit dem Batallions-Commander
geteilt und wurden exzellent verkoestigt.
Eine riesige Logistik, ganz nach dem Motto klotzen nicht kleckern.
Alles, von den Cornflakes bis zu den Schuetzenpanzern (M-113) wird
von Kampala (Uganda) aus eingeflogen. Man koennte irgendwo sein,
man ist wie in einer eigenen Stadt. Das war fuer uns auch der Grund,
dass wir fuer eine Nacht zu Papa Joe (ein Belgischer Missionar,
der im Zentrum von Bunia sein Pfarrhaus hat und auch Leute beherbergt)
gezogen sind, sodass wir den Kontakt zu den Locals besser pflegen koennen.

Am Dienstag haben wir unsere Anstandsbesuche erledigt und diverse
Militaers besucht. Tee und Kuchen.
Das Ganze war einwenig peinlich, jedes Mal wenn wir uns verschieben
wollten, wurde ein Pick Up Jeep fuer uns aufgefahren mit einem
Maschinengewehr und drei Soldaten. Plus ein Beleitfahrzeug mit
bewaffneten Soldaten. Die NGOs und die Zivilen von der MONUC haben
sich hingegen frei bewegen koennen.
Mein Indischer Kollege wollte nicht einmal ohne Begleitschutz
zu einem Kaffee laufen, dass ca. 150 Meter vom HQ entfernt ist.
Die Lage ist ruhig und es bewegen sich alle zu Fuss im Stadt-Zentrum.
Es hat also nichts mit Heldentum zu tun wenn man sich "ungeschuetzt"
bewegt.

Am Mittwoch flog ich mit einem Helikopter nach Tschomia, ca. 35 km
oestlich von Bunia am Lake Albert, wo es immer wieder Kaempfe gegeben
hat. Auch dort durfte ich diesmal den Bangladeschi erklaeren,
dass ich keinen Panzer brauche, der hinter mir herfaehrt. Was sollen
die Leute denken, wenn ich mit solch einem Teil auffahre, nur um mit
ihnen zu sprechen. Bin dann mit zwei Nepalesen "spazieren" gegangen
und wir haben uns bei den Lokals kundig gemacht, wie sie die
allgemeine Lage sehen. Die meisten Einwohner sind Fischer oder Bauern
und sind froh, dass die MONUC endlich auch in den Doerfern praesent ist.
Allerdings befuerchten sie immer noch Angriffe von Rebellen.

Uebrigens, die Landschaftes ist sehr schoen im Ituri und das Klima
wie bei uns in der Schweiz. Hoffe schwer, mal als Touri zurueck kommen
zu koennen.

Donnerstags gings dann im gesicherten Konvoi (zwei Radschuetzenpanzer,
zwei Lastwagen und unser Pick Up) nach Marabo, ca. 40 km suedwestlich
von Bunia, auch dort ist eine Bangladeschi Kompanie die den Ort sichert.
Eine Indonesische Genie Kompanie hat angefangen die Strasse zu
erneuern und so waren die ersten drei km eine wahre Freude, die
restlichen "wenigen" km wurden wir dann ordentlich durchgeruettelt,
und als es noch zu regnen anfing ging fast gar nichts mehr.
Wir haben fuer die 40 km satte 3 Stunden gebraucht.
Bei der Rueckfahrt haben wir noch zwei Rebellengruppen besucht.
Sogenannte Ledus. Waren echt niedlich, die Kinder so zwischen 10 und 18.
Kamen sich mega cool und wichtig vor. Hatte echt Lust ihnen deftig
heftig in die Windeln zu treten, damit sie wieder mal wissen wo Gott hockt.
Leider macht es keinen Sinn sie zu entwaffnen, solange sie keine
Zukunftsaussichten haben, also Ausbildung, Arbeit, Familie etc.
Die Waffe ist ihr einziges Mittel um an einen "Verdienst" zu kommen.
So verlangen sie Wegzoll und sonstige Gebuehren.

Am Abend gabs "Kaffee und Kuchen" mit diversen Leuten von denen wir
Informationen erhofften ueber Waffenschieberei und so.
Fuer den Rueckflug hat man uns in eine Transportmaschine gepfercht,
und wir haben uns gefuehlt wie in einer fliegenden Kiste.
Und die feucht heisse Herrlichkeit in Kinshasa hatte uns wieder in ihren
Armen.

Not the end...

Denis
1. Dezember 2003, 08:15

Hallo,

bei den beiden Fotos handelt es sich jeweils
um das gleiche Auto bei Fort Portal, Uganda.

(Foto 1)
(Foto 2)
(Foto 3)

Die Fahrerin arbeitet fuer Political Affairs, sie war ueberzeugt,
dass sie Auto fahren kann. In Kolumbien mag das ja vielleicht stimmen.
Ich als Gentleman wollte ihr nicht widersprechen, was ich auch nicht
gekonnt haette, selbst wenn ich es gewollt haette, den sie sprach wie
ein kolumbianisches Maschinengewehr.
Waehrend sie uns von Misere zu Misere fuhr, erzaehlte sie von ihren
Off Road Erfahrungen. Alles was ich tun konnte, war mich anzugurten
und auf die Technik wie Airbag etc. vertrauen.
Nach zweimal stecken bleiben und dem zweiten Beinahe-Ueberschlag
ueberliess sie mir grosszuegig das Steuer.

Denis

PS.: Der Political Affairs fuhr nicht besser, wenn nicht noch schlechter,
aber er hat es ziemlich schnell selbst eingesehen.
Kinshasa,  8.07 Uhr,  32 Grad,  Sonne.                     6.12.2003

Dezember im Kongo.
Fuer mich ist immer noch Sommer, die Zeit vergeht wie im Flug,
Veraenderungen bekommt man sozusagen keine mit.
Fruehling, Sommer, Herbst und Winter: Fuer uns hier immer das Gleiche.
Die einzige Veraenderung, die uns auffaellt, ist, dass die Kongolesen
im "Winter" am Morgen Muetzen und Jacken tragen, um die ca. 25 Grad
zu ertragen.

Konfliktmaessig gibts Veraenderungen, es wurde eine neue Armee
gegruendet:
Die FARDC - Force Armées de la République Démocratique du Congo-
die aus der Regierungsarmee (FAC) und  den verschiedenen
Rebellengruppen (RCD-G, MLC, Mai Mai) zusammen gesetzt wird.
Auch haben sich vermehrt Rebellen bereit erklaert, sich entwaffnen
zu lassen und in ihre Doerfer zurueckzukehren.
Aber trotz all diesen positiven Entwicklungen liegt immer noch viel
Schatten auf dem Kongo, speziell dort wo sich die Naturresourcen
befinden, im Osten des Landes.
Auch dort findet ein Friedensprozess statt, doch haben dort viele,
sprich das nahe Ausland, kein Interesse daran dass Frieden
einkehrt, denn das wuerde gewissen Leuten den Zugang zu den Naturresourcen
verwehren.
Also schueren sie immer weiter Konflikte mit Waffenlieferungen und
Infiltration durch auslaendische Soldaten.
Ausfuehrlicher werde ich erst nach Weihnachten, nun erst gehts mal
Morgen fuer zwei Wochen nach Namibia. Ferien in der Sonne!

Ich wuensche euch allen schoene Weihnachten und geniesst die Kaelte,
die Hitze kommt bestimmt wieder.

Alles Gute

Denis
Donnerstag, 25. Dezember 2003, 13:25

Weihnachten im Kongo

Tja was soll man sagen ? Hier ist Sommer ! Bei 30 Grad, leicht bewoelkt,
ratternder Klimaanlage, Palmen etc kommt fuer unsereinen keine grosse
Weihnachtsstimmung auf.

Obwohl findige Kongolesen krampfhaft versuchen, eine solche aufzubringen,
in dem sie aufblasbare Weihnachtsmaenner und Plastikweihnachtsbaueme
zu verkaufen versuchen.
Auch die Einkaufshektik ist unuebersehbar, die Strassen sind verstopft,
die Leute zeigen sich zum Gruss den Stinkfinger und schreien sich
nette Weihnachtswuensche entgegen. Man sieht, auch hier im tiefsten
Afrika hat sich einwenig Zivilisation eingeschlichen, und es gibt also
Augenblicke, da fuehlt man sich ganz zu Hause.
Ansonsten kann man aber ganz gut dem europaeischen Weihnachtsrummel
entfliehen. Dieser schwere Verzicht wird meiner Persoehnlichkeitsentwicklung
sicher sehr zugute kommen.
Da die meisten Kongolesen Christen sind, feiern sie Weihnachten in einem
aehnlichen Rahmen wie wir. Ausser dass sich die Geschenke unter dem
Plastiktannenbaum mehrheitlich auf praktische Dinge wie Kleider und
Nahrungsmittel beschraenken.
Der Weihnachtsgottesdienst dauert mit drei Stdunden nur unmerklich laenger
als bei uns (den habe ich leider verpasst, da ich arbeiten musste).
Prioritaet hat sicher das Weihnachtsessen, und es wird alles aufgefahren
was der Urwald so hergibt: Huehner, Krokodile, Fische, Affen, Kuehe,
Maden und der Rest der Fauna finden ihr Ende in den Maegen der
feiernden Kongolesen.
Unseren Hausangestellen (drei Wachtleute und eine Haushaelterin)
haben wir zu Weihnachten 20 Kilo Reis und 8 Huehner (tiefgefroren)
geschenkt, plus etwas Geld.

Was den Friedensprozess betrifft: Die Rebellen verhalten sich recht
weihnachtlich. Es werden nur noch ganz vereinzelt Lebenslichter
ausgeloescht, und die Bereitschaft die Waffen abzugeben und in die
Doerfer zurueckzukehren hat zugenommen. Ich hoffe, dass im Januar
mit den drei Koenigen nicht auch die Soldaten wieder kommen.
Sonst gibts nicht viele Veraenderungen. Der Kongo ist immer noch ein
potenzielles Paradies, und ich hoffe in ein paar Jahren (mit 65 gibts
ja dann sicher auch Senioren-Rabatt) das Land als Tourist besuchen zu
koennen.

Ich wuensche dem Rest der Welt schoene Weihnachten und dem Kongo
seinen Frieden.

Denis
Sonntag, 4. Januar 2004, 12:20. Betreff: Bananenrepublik

Bei der Banane faengt es an.

Ich bin mit unserem kongolesischen Kollegen Arthur, den ich als Mitarbeiter
und als Mensch sehr schaetze, in Kinshasa herumgekurvt, um Leute zu
treffen und ihnen Informationen aus der Nase zu ziehen.
Da sind wir also gemuetlich unterwegs und ein Kongolese im Wagen vor
uns wirft eine Bananenschale aus dem fahrenden Auto.

Kein Akt, der im Kongo Aufsehen erregt.
Arthur hat mich angeschaut und gefragt: Stimmts ?
In der Schweiz wuerde das niemand machen ?

Ich war doch echt ueberrascht von dieser Frage und haette ihm gerne
zugestimmt. Da aber Luegen angeblich frueher oder spaeter bestraft
werden und ich nicht von einer herunterfallenden Kokosnuss getroffen
werden wollte, musste ich verneinen und eingestehen, dass der Mythos
der sauberen Schweiz doch schon laenger der Geschichte angehoert.
Und unsere sauberen Strassen (die er selber gesehen hat vor 15 Jahren)
nur der Tatsache zu verdanken sind, dass wir Heinzelmaennchen haben,
die fleissig wischen.
Nicht nur Kongolesen, auch Angehoerige vieler anderer Nationalitaeten
in der UNO sprechen mich (bin der einzige schweizer MILOB in Kinshasa)
darauf an, wie schoen, sauber, sicher, geordnet und friedlich die
Schweiz doch sei. Unsere Demokratie fuer viele ein grosses Vorbild.

Ich frage mich wirklich, was ist noch dran an diesen "Vorurteilen" ?
Das Ausland strebt nach diesen Errungenschaften. Alles Dinge, die bei
uns in der Schweiz schon eher als un-cool gelten.
Was die Schweiz noch mit Demokratie zu tun hat, weiss ich auch nicht
mehr so genau, lediglich dass wir diese nicht anders verdient haben.
Das Resultat sitzt im Bundesrat. Was mich nicht ernsthaft stoert, da es
ja ein demokratischer Entscheid war.

Wir glauben, dass wir Anrecht auf unseren Wohlstand in der Schweiz
haben und vergessen, dass auch dieser verdient sein muss. So wie wir
es den Leuten in den Entwicklungslaendern predigen. 
Vergessen wir aber nicht, dass wir vor knapp 100 jahren noch ein
Entwicklungsland waren und viele Schweizer auswanderten, um das Glueck
in der Ferne zu suchen.

Die Schweiz, von aussen betrachtet, verliert mehr und mehr an Glanz.
Werte, die man im Ausland so richtig schaetzen lernt, gehen verloren.
All die Belobigungen, die ich fuer unser Land erhalte, machen mir
bewusst,dass wir immer mehr im Durchschnitt der Masse verschwinden.
Die Zeit laeuft, die Welt veraendert sich - sogar im Kongo - und die
Zeit koennen wir nicht beeinflussen.
Aber die Richtung, in die wir selbst gehen, bestimmen wir immer
noch selbst.

Ich kann mich gluecklich schaetzen, Staatsangehoeriger eines
demokratischen Landes zu SEIN. Nur SEIN genuegt nicht,
man muss die Demokratie auch aktiv am Leben erhalten.

Schoenes neues Jahr

Denis
Montag, 5. Januar 2004, 09:00

Bunia

Am 31. Dez. bin ich nach Bunia geflogen. Silvester hab ich mit
ein paar russischen UNO - Mitarbeitern und Vodka gefeiert.
Nach vielen russischen Tischreden, denen ich freundlich bejahend
zustimmte, war das neue Jahr auch schon geboren. Anschliessend
gabs noch einen Schlummertrunk mit dem schwedischen Deputy Force
Commander und seinem franzoesischen Assistenten.
Haben in einer Stunde das ganze Kongo-Problem geloest - theoretisch !

Da ich eigentlich zum Arbeiten nach Bunia kam, bin ich am naechsten
Morgen mit den MILOBs auf Patrouille. Die momentane Lage in Bunia
ist allgemein ruhig, ausser in der Nacht, da hoert man manchmal
Schuesse, die aber meistens wenig zu bedeuten haben.
Die ruhige Lage ist auch der starken Praesenz der bewaffneten
UNO-Truppen zu verdanken.

Das Erfreuliche ist, dass sich die verschiedenen ethnischen Gruppierungen
(Hema, Alur und Lendus) in gemeisamen Grossversammlungen gegenseitig
um Verzeihung bitten, was in Anbetracht von den geschehenen Massakern
gar nicht als selbstverstaendlich zu betrachten ist. Das grosse Problem
ist immer noch, dass es viele gibt, die kein Intresse am Frieden haben,
da sie Macht und Einflusss, sprich Zugang zu den Naturresourcen verlieren
wuerden.

Auf dem lokalen Markt kann man ohne Problem Gold kaufen, der Kilopreis
liegt so bei 12'000 Franken, bei Grossmengen bekommt man natuerlich
Rabatt (Welthandelspreis ca. 15'500).
Am Samstag gings mit einem Heli nach Kasenyi, 30km oestlich von Bunia.
Ich habe um ein Auto gefragt, habe aber keines bekommen.
Wollte mich da einwenig kundig machen was so abgeht.
Speziell interessiert uns der Handel (event. Waffenschmuggel) und
die Zollformalitaeten (wer kassiert die Taxen ?).

Der bangladesische Kommandeur der dort stationierten Einheit wollte
mich unter keinen Umstaenden ohne "Bodyguards" ins Dorf lassen.
Also hatte ich zwei Bangladeschis im Schlepptau, die kein Wort Englisch
sprachen. Sie wollten nicht, dass ich - oder eher sie - durch
ca. 20 cm tiefes Wasser (Seeufer) laufe.
Also haben sie ein Fischerboot herbei gepfiffen, dass uns ueberfuehren
sollte, was einer Distanz von ca. 2 Metern entsprach. Als sich der zweite
Bangladeschi zu uns ins Boot gesetzt hatte, ist das ganze Ding
abgesoffen. Ich haette es eigentlich wissen muessen, die Bangladeschi
ueberladen andauernd ihre Faehren. Echt Super ! Freude hatten die
Kongolesen, die konnten lachen wie schon lange nicht mehr.
Nach eineinhalb Stunden gings dann auch schon wieder nach Bunia zurueck.

Meine naechste Aufgabe ist es, mich mit diversen NGOs zu treffen und gute
Laune mit ihnen machen, da sie sehr gute Informationen fuer uns haben.
Die NGOs haben besseren Zugang zu Infos als wir, da sie in fast allen
Doerfern praesent sind. Nur moegen die meisten NGOs die MONUC nicht so
sehr, speziell die in Uniform. So habe ich mich zivil gekleidet,
was auch ja auch ganz angenehm ist.

Eine einzige dunkle Wolke schwebt heute ueber Bunia !
Die Tatsache, dass mein Boss heute kommt. Schluss mit Friede,
Freude, Eierkuchen. Er ist ja ganz OK, nur manchmal ein wenig
umstaendlich, eben "very British".
12. Januar 2004

Im Sinne des Erfinders ?

The idea of the inventor ?

Bunia DRC   02/01/2004
Denis


(Foto 1)
(Foto 2)
Dienstag, 20. Januar 2004,  19:30

Kampala - Uganda

Nach langem Draengen konnten wir (David, Major South Africa) nach
Kampala, der Hauptstadt von Uganda fliegen, um ein Treffen mit der
Ugandischen Armee vorzubereiten. Wir traffen den Political Affairs
Officer im MONUC Buero Kampala.
Das Ganze machte Sinn, hatten wir doch unterschiedliche Informationen.
Speziell die geschaetze Truppenstaerke der Ugandischen Rebellen, die
im Kongo stationiert sind, war frapant unterschiedlich.
Wir hatten Infos, dass es 6000 Mann sind und wurden eines Besseren
belehrt. Es handelt sich lediglich um eine Truppenstaerke von 600-700.
Die falsche Zahl von 6000 Rebellen koennte, wenn sie an die
Oeffentlichkeit gelangt, eine Massenflucht in der betreffenden
Region verursachen. Eine einfache Falschmeldung mit u. U. schweren Folgen.

Wir haben ein Hotel im Stadtzentrum gebucht, gerade gegenueber dem
Gemuesemarkt. Es ist eine Wohltat, sich frei und unbehelligt bewegen
zu koennen, ohne dass jedermann versucht einem irgendwas zu verkaufen.
Auch wurden wir von keinen Stehlampen (ich meine Stehlampen
verkaufenden Haendlern) verfolgt.
Real Afrika und doch war es wie Ferien; geistige Erholung.
Haben dann noch einen Kongolesen getroffen, der uns sehr zuverlaessige
Informationen lieferte. 
Er hat auch einen Studienplatz in der Schweiz bekommen um Menschenrechte
zu studieren. Genauer gesagt handelt es sich um ein Fortbildungsstudium,
das drei Monate dauert.
Und da ich zufaelligerweise Schweizer bin, durfte ich ihm auch
gerade noch 20 $ stecken, damit er das Porto bezahlen kann, wenn er
die Unterlagen in die Schweiz schickt.

Dann gabs noch ein Plauderstuendchen mit einem russischen Geschaeftsmann.
Was der genau so treibt wissen wir nicht, aber er kann uns zu guten
Kontakten im Kongo und Uganda verhelfen.

Und dann ging es wieder zurueck ins feuchtheisse Kinshasa.
Da ist nichts Besonderes los ausser, dass die dumme He...sorry,
la Madame uns auf den ersten Februar aus dem Haus schmeisst,
weil sie einen Idioten (der nebenbei erwaehnt auch fuer die UN arbeitet) 
gefunden hat, welcher bereit ist 500$ mehr Miete zu bezahlen.
Also 2500$.
Aber was solls, wer kuemmert sich schon im Kongo darum was
Uebermorgen ist, wir werden schon was finden es ist ja erst der
20. Januar...
Morgen gehts wieder in den Osten des Landes, nach Beni, dort sollten
wir den oben erwaehnten Russen treffen, der uns mit potenziellen
Informanten bekannt machen soll.
Vielleicht - inschallah - fahren wir mit ihm zurueck nach Kampala,
was so um die acht Stunden dauern sollte. Morgen weiss ich mehr.

Gute Nacht
27. Januar 2004, 12:30

Und wieder gings in den Osten, wie bereits mitgeteilt,
um eben diesen Russen zu treffen. Wir hatten die letzten Tage
keinen Kontakt mehr mit ihm, weil das Internet im Kongo nicht
so wollte wie es sollte. Sind also mit einem "special flight"
- wir haben den Deputy Force Comander mitgenommen - nach Beni
geflogen. Und wie koennte es anders sein, der Russki war nicht da,
weil sein Flugzeug wetterbedingt nicht starten konnte.
Neue Lage, neue Aufgabe, so sind wir mit MILOBs am naechsten Tag
nach Butembo gefahren, um zu schauen was fuer Informationen fuer
uns erhaeltlich sind. Ich muss leider erwaehnen, dass die meisten
MILOBs keinen $ wert sind und von denen bekommen sie jeden Tag einen
ganzen Haufen. Einige Nationalitaeten haben mehr als den 10 fachen
Lohn wie zu Hause. Was nicht heisst, dass sie dementsprechend
arbeiten. Nein, sie haben das Gefuehl, um 1700 ist Feierabend.
Zeigen keine Eigeninitiatve Beziehungen zu knuepfen, um
Informationen zu sammeln die wir dringend benoetigen.
Auch verstecken sie sich jeweils hinter dem Wort "Security".
Sagenhaft, und sowas nennen sich dann Soldaten, noch
schlimmer Offiziere. Es gibt auch die Anderen, jene die gewillt
sind was zu tun. Nur leider werden sie meistens von den anderen
gebremst, und nach einiger Zeit kommt Frustration und Resignation
auf. Mit einem guten MILOB Team koennte man wahrlich Berge versetzen.

Nichtsdestotrotz war es wieder mal eine interessante und fuer uns
eine erfolgreiche Mission, wir konnten einige Kontakte knuepfen
und uns einen Ueberblick ueber die Gegend verschaffen. Und die ist
einfach der Hammer, Huegel, Fluesse und Dschungel, einfach
unbeschreiblich, und das Beste: Es kuehlt so stark ab in der Nacht,
dass ich mir zwei Naechte lange den Ars.. abgefroren habe.
Wir hatten naemlich keine Schlafsaecke mitgenommen, weil wir erstens
dachten, wir sind in Afrika, und zweitens wussten wir nicht, dass
wir bei den MILOBs schlafen, die nur sehr minimal ausgeruestet sind.
Am Freitags gings mit einem Heli nach Entebbe (Uganda), zwei Stunden
lang Ohrensausen inklusive. Von da aus mit einem Transportflugzeug
- wir kamen uns vor wie Schweine im Weltall - wieder nach Kinshasa.

Denis
Sonntag, 1ter Februar 2004, 19:00

The green room, die Bar, die wir eroeffnet haben, kommt langsam
auf Touren. Mal schauen wie es Morgen laueft, wir sind ja schliesslich
im Kongo.


Zu den Bildern !
Sonntag, 15. Februar 2004, 14:20

Im Osten nicht viel Neues

Wieder einmal gings gegen Osten. Mit dem Flieger von Kinshasa
nach Kisangani, dann nach Bunia und von da aus mit einem
Kerosin - Laermumwandler (Helikopter) nach Beni und schliesslich
zu unserem Ziel Lubero.

Bilder aus Lubero.

Lubero liegt 1900 m.ue.M., ist somit ein Klimaparadies.
Am Tag heiss und trocken, in der Nacht nicht nur kuehl,
sondern fast kalt. Gefuehlsmaessig bzw. so wie es hier ausschaut,
sollte es Skilifte haben. Diese Sinnestaueschung mit dem Kulturschock
zu entschuldigen, wenn man von Kinshasa kommt.

Wir haben uns bei diversen Leuten kundig gemacht, was hier so abgeht
und was nicht. Die Situation ist ziemlich ruhig, und die Bevoelkerung
arbeitet fleissig in der Landwirtschaft und im Minenbau.
Fleissig ist untertrieben, hart ist eher angebracht. Habe noch nie
Leute - auch Kinder - solche Lasten tragen sehen wie hier und dies
ueber laengere Distanzen.

Nach zwei Tagen gings wieder via Bunia nach Kampala (Uganda),
wo wir einen kongolesischen Informanten gtroffen haben,
der uns mit sehr guten Infos ueber die Ituri Region beliefert.
Der kenianische MILOB, der in der Naehe von Bunia am 12. Februar
bei einem Anschlag auf die MONUC aus einem Hinterhalt erschossen
wurde, war nicht eine wirkliche Ueberraschung.
Wir hatten im Vorfeld Informationen, dass in dieser Gegend
verschiedene Rebellen ankuendigt hatten, mit Waffeneinsatz
gegen die die MONUC vorzugehen. Die Rebellen - sprich die
Handelsleute die hinter den Rebellen stehen - haben kein Interesse,
dass sich die MONUC breit macht. 
Diese Informationen hatten wir weitergeleitet, aber sie wurden
ignoriert oder nicht genug ernst genommen. Die MILOBs wurden zwar
von UNO Truppen mit Radschuetzenpanzern eskortiert, doch
ist das "Standardverhalten" dieser Truppen wie auch jenes der
MILOBs eher unprofessionell, lausig.
So ist es nicht wirklich eine Ueberraschung, was geschen ist.
Da ist jede Pfadigruppe besser organisiert. Es ist schon traurig,
dass immer erst was passieren muss, damit die Leute ihr Verhalten
aendern.  Das hat wohl etwas mit der menschlichen Faulheit zu tun,
die wir ja alle bestens von uns selbst kennen.
So, und nun bin ich wieder in Kinshasa, bin wieder mal umgezogen.
Wohne jetzt in einem Hochhaus im obersten Stock mit einer super
Aussicht auf den Fluss und auf Brazzaville. Lift fahren ist jedes
Mal ein Abenteuer, aber was solls, ein wenig Action ist ja eine
nette Abwechslung.

Denis
Donnerstag, 18. Maerz 2004, 16:30

Als ich mich entschloss, nicht mehr nett zu sein.

Wir sind 12 Nasen in der Military Information Section und uns stehen
drei Fahrzeuge zur Verfuegung, wobei eines seit drei Monaten in der
Werkstatt ist (fragt nicht warum, ich frage auch nicht mehr).
Jeder nimmt sich bei Bedarf ein Fahrzeug und stellt es normalerweise
wieder zur Verfuegung, wenn er es nicht mehr braucht.

Nun haben zwei findige Kollegen bei unserem Chef einen Antrag gestellt,
damit ihnen ein festes Fahrzeug zugeteilt wird, weil sie ja
...bla bla bla.
Diese zwei Herren gehoeren einer Mafia-Verbindung an, die genuegend
Zugang zu anderen Fahrzeugen hat (und die selber unsere Fahrzeuge
grosszuegigerweise auch mal ihren Mafia-Bruedern ueberlassen), und am
Abend gehen sie nie aus weil dies ja Geld kosten koennte.
Da musste ich andere Mittel ergreifen und zu einem Rundumschlag
an die ganze Abteilung ausholen. Nicht mit Fauesten wie frueher
im Mittelalter. Sondern ganz modernen Methoden, by e-mail.
Ich musste den Herren mal klar machen, dass mich dieses
"alles an sich reissen" Verhalten ansch...  und es mich ankotzt.
Wie sich einige auf die Fahrzeuge setzen wie Huehner auf ihre
Eier. Das ganze in english, was mein Woerterbuch doch gerade mal
an den Anschlag brachte. Habe auch gleich hingeschrieben, dass
ich keine Reaktion via e-mail will, sondern eine Auge in Auge
- wie frueher.
Es hat keine 15 min gedauert, und da ist der Erste schon auf der
Matte gestanden und hat gejammert, dass ich sowas nicht schreiben kann
und sie das Fahrzeug ja nicht nur fuer sich beanspruchen wuerden
....bla, bla, bla.
So ist alles beim Alten geblieben, und am Abend kam doch gleich einer
und hat mich gefragt ob er mich nach Hause fahren soll.

Bin mit Arthur, unserem kongolesischen Mitarbeiter, nach Kampala
geflogen, fuer eine Menschenrechts-Untersuchungsmission.
Am Flughafen sollte ein Fahrzeug mit Fahrer fuer diese Mission
bereitstehen. Was auch problemlos klappte, leider war das Reserverad
kaputt, doch wir brauchten ein intaktes, weil uns die Mission doch
so richtig in den Busch fuehrte. Unsere Fahrer versuchte eines zu
organisieren. Nach eineinhalb Stunden Diskussionen zwischen unserem
Fahrer und Anderen ist mir beinahe der Kragen geplatzt. Ich machte
sehr lauten Gebrauch von dem Zauberwort "FUCKING" in
Verbindung mit "useless", "MONUC" und "spare wheel".
Schwups und ploetzlich war ein intaktes Rad innerhalb von fuenf
Minuten vorhanden.

Was lerne ich daraus ?
Nett sein ist ja nett, aber .........

Einen netten Tag wuensche ich.

Anmerkung: Von einer Mafiaverbindung reden wir hier,
sobald mehr als ein Angehoeriger einer Nation bei uns vertreten ist.
Das koennen Inder, Englaender, Schweden oder sonst was sein,
ausser Schweizer, da ich alleine in Kinshasa bin.
28.03.04, Kinshasa MONUC HQ, 12:00

Sonntag um 5.50 Morgens hat mich mein Chef aus dem wohlverdienten
Schlaf geholt. Die ex FAZ - Force Armees de Zaire (Mobutu) -
 ist mit ca. 40 Soldaten von Brazzavillle nach Kinshasa rueber
gekommen und  hat  ein Waffenlager gepluendert. Anschliessend haben
sie die GSSP (Spezielle Praesidentenwache) angegriffen.

Bin mit meinem Chef in Kinshasa rumgekurvt um herauszufinden,
was die Reaktion der Polizei und der Armee ist. 
Alle sind obernervoes und wollen nicht mit uns sprechen,
weil sie wahrscheinlich keine Ahnung haben was hier abgeht,
wie wir auch nicht. Der Grund fuer den Angriff ist uns nicht
ganz klar. Die FAZ, die in Brazzaville im Exil lebt, steht
Jean Pierre Bemba (Vice President) nahe. Und die GSSP ist die
Wache von Praesident Kabila.
Mann koennte also von einem Putschversuch ausgehen, was allerdings
doch eher anzuzweifeln ist. Vielleicht wollten sie sich auch nur einige
Waffen beschaffen. Wir hoffen bald genaueres in Erfahrung zu bringen.

Der groesste Teil der FAZ hat sich wieder nach Brazzaville zurueck
gezogen. Es haben sich vier Elemente in einem Haus nebenan des MONUC
Hauptquartier verschanzt und es wird jetzt seit drei Stunden mit
Gewehren und Granatwerfern herumgeschossen. Haben vom HQ aus
Tribuenenplaetze, einfacher koennte man es als Militaerbeobachter
wirklich nicht haben.

Denis
28.03.04, Kinshasa MONUC HQ 14.30

Die ex FAZ ist mit ca. 40 Soldaten von Brazzavillle nach Kinshasa
rueber gekommen und hat drei MLC (Bemba) Soldaten befreit.
Aschliessend versuchten sie, an zwei verschiedenen Orten Waffenlager
zu pluendern, jedoch ohne Erfolg.
Dabei haben sie die GSSP (Spezielle Praesidentenwache) angegriffen.
Der Grund fuer diese Aktion ist uns nicht ganz klar. Die FAZ, die in
Brazzaville im Exil lebt steht Jean Pierre Bemba (Vice President) nahe.
Und die GSSP ist die Wache von Praesident Kabila. Ob es nur darum ging,
die Gefangenen zu befreien und Waffen zu beschaffen oder ob mehr
dahinter steckt wie etwa ein Putschversuch, koennen wir im Moment
noch nicht sagen.
Die Schiessereien um das MONUC HQ sind beendet und auch die allgemeine
Lage (14.30) hat sich in der ganzen Stadt beruhig.
Nur die GSSP und die Police Nationale haben ihre motorisierten
Patrouillen verstaerkt.

Denis
Dienstag, 6. April 2004, 12:15

Bunia war wieder mal an der Reihe, von Mil Info unsicher gemacht
zu werden. Also haben Arthur und ich uns fuer fuenf Tage dort
eingenistet. Unser Auftrag lautete, mit den verschiedenen
Rebellenfuehrern Kontakt aufzunehmen. Wir sollten uns kundig
machen ob diese bereit waeren, sich mit der Uebergangsregierung
an einen Tisch zu setzen und ueber ihre Integration im Kongo
zu verhandeln.
Der Ituri ist die einzige Region, die noch nicht in die
Uebergangsregierung integriert ist. Wenn Ituri in einem Jahr bei
den Wahlen mit von der Partie sein will (zu glauben dass das hinhaut,
soviel Optimismus grenzt beinahe an Naivitaet), so muessen die Leute
sich schleunigst daran machen einen Fuss nach Kinshasa zu bekommen.
Wir haben dann auch drei von den sechs Rebellenfuehrern in Bunia
und Umgebung getroffen und von ihnen die Zusage bekommen, dass sie
bereit sind an den Verhandlungstisch zu kommen.
Bei zwei Fuehrern haben wir die Zusage von einem ihrer Vertreter bekommen
und so hoffen wir mal das Beste.

Der Kommandant einer Rebellengruppe ist uns schwer ein Dorn im Auge.
Erstens ist er kein Kongolese, sondern ein Ruander und zweitens ist
er ein Tyran und skrupelloser Killer. Nur ist er eben auch ein Fuchs
und es ist nicht einfach seiner habhaft zu werden. Auch droht er
immer wieder der MONUC, er werde sie anzugreifen und er ist sehr
wahrscheinlich mit verantwortlich am hinterhaeltigen Angriff auf
die MONUC im Februar.
Durch Informanten haben wir den Aufenthaltsort des oben genannten
Rebellenfuehrers lokalisieren koennen. Um Mitternacht sind wir mit
30 Soldaten ca. 2 km vom "Objekt" mit Lastwagen abgesetzt worden.
Eine Infiltration mit 30 Soldaten ist nicht wirklich clever, und so
haben wir, auch bei aller Vorsicht, viel Laerm produziert waerend
wir im Dunkeln durch Gemuesegaerten und Haeuser schlichen.
Um 01.30 hatten wir das Objekt umstellt. Um 2.30 sind vier
Radschuetzenpanzer und zusaetzliche 70 Soldaten aufgefahren.
Wir hatten gehofft, der Laerm wuerde den Gesuchten nun aus dem Haus treiben.
Dem war nicht so. Wir warteten die Daemmerung ab, da wir nicht eine
Hausdurchsuchung bei Nacht durchfuehren wollten. In der Dunkelheit
ist es sehr schwierig, bewaffnete Aktionen mit sovielen Teilnehmern
durchzufuehren. Der Tag kam und das Haus wurde von den Soldaten (12)
genommen. Was dabei raus kam waren circa 15 Personen, Frauen, Kinder
und Maenner, aber, wie sollte es auch sein, nicht der Gesuchte.
Wir konnten trotzdem den Nachrichtenoffizier der Rebellengruppe
festnehmen und diverse illustre Personen vernehmen, die wir aber an
Ort wieder laufen liessen.

Man sollte die Maus nicht mit einem Elefanten jagen.
Bunia 26. Maerz 2004, 11:30

Dicker Hals !

In Bunia habe ich in einem kongolesischen  Hotel genaechtigt.
Es war alles inbegriffen, Morgenessen, Abendessen, Bett und
Badewanne, lediglich das fliessende Wasser habe ich vergebens
gesucht. Wie man sieht sind uns die Kongolesen in punkto
Wassersparen einen Schritt voraus.

An einem schoenen Morgen, ich war gerade dabei mein Zimmer zu
verlassen, welches an den Hof des Hotels grenzt, hat ein Wagen
angefangen andauernd zu hupen. Wie konnte es auch anders
sein, es war ein Wagen der MONUC mit einem nigerianischen Polizisten.
Er wollte einem Kollegen signalisieren dass er hier ist. Habe nur
den Kopf geschuettelt und bin wieder rein. Das Hupen hat nicht
aufgehoert und ich habe gehoert, wie die Hotelbesitzerin dem
Fahrer sagte, dass er das Hupen doch unterlassen solle, was er
aber nicht tat. Ich bin dann nochmals raus und habe den Kopf
geschuettelt und das hat dem Herrn nicht gepasst. Er hat mich
gefragt was ich fuer ein Problem habe. Als ich ihm mitteilte,
dass ich sein Gehupe nicht angebracht, nein schon eher arrogant
finde und er seinen Ars... aus dem Wagen bewegen koenne um seinen
Kollegen zu holen, war seine Antwort nur, dass es ihm egal sei und
es ihn nicht interessiere ob es uns stoert.
Dumm geboren, nichts dazu gelernt, und die Haelfte wieder vergessen.
Also wird er auch dumm sterben. Ist mir auch egal.

Eine halbe Stunde spaeter. Wir haben einen Dispatch (MONUC internes
Taxisystem) genutzt, um zum Flugplatz zu gelangen. Einen Minibus
fuer acht Personen. Wir waren zu siebt (ausser mir alles Kongolesen,
Einheimische, die fuer die MONUC arbeiten) und ein Sitz war mit
Gepaeck belegt. Da wollte noch ein achter Kongolese rein, doch die
Anderen haben im gesagt das Boot sei voll. Da hab ich zum zweiten
Mal an diesem Morgen einen dicken Hals bekommen und musste den netten
Mitmenschen klarmachen, dass dies ja wohl das Allerletzte sei.
Kaum sind sie in einer besseren Position, sprich haben sie ihren
Ars... im bequemen Sessel haben, scheren sie sich einen Dreck um
ihre "Brueder". Und das in Kinshasa, wo oft 25 in so einen Minibus
passen. Die Reaktion waren 14 grosse Augen. Ich durfte das ganze Gepaeck
auf mich laden und einer beklagte sich beleidigt, dass ich sie mit den
Kongolesen in Kinshasa vergleiche.

Speis und Trank wird bruederlich geteilt hier im Kongo. Nur sobald sich
gewisse Leute als etwas Besseres fuehlen, weil sie in einem UNO-Wagen
sitzen, fuer einen Weissen arbeiten oder irgend eine Pseudo-Beamtanstelle
besetzen, dann behandel sie ihre Landsleute wie den letzten Dreck.
Betrachtet man die Vergangenheit, so kann man verstehen, dass sie jede
Gelegenheit nutzen um selber aus dem Dreck zu kommen. Dass sie dabei den
anderen auf den Kopf treten muessen geht aber ueber meine Verstaendnis.

Denis
13. April 2004, 13:30

Hallo Denis,
wurde die Verlaengerung Deines Aufenthalts im Kongo um
ein halbes Jahr eigentlich bewilligt ?

Denis:
Habe noch nichts genaueres gehoert. Ich denke wohl eher nicht, was
mir im Moment auch egal ist, wenn ich so sehe was hier abgeht.
Meiner Auffassung nach gibts bald wieder eine groessere Sache
(so in 0 - 6 Monaten).
Gruss Denis

PS:
Werde auch darueber ausfuehrlicher schreiben, wenn ich mehr Zeit
habe.


Neue Bilder !

Dienstag, 11. Mai 2004, 9:10

Das kongolesische Parlament besteht aus 500 Volksgesandten, die nicht
vom Volk gewaehlt wurden, sondern ad interim bis zu den Wahlen
eingesetzt wurden.

Deren Aufgabe besteht hauptsaechlich darin, die Geschaefte des Ministeriums
(ca. 50 Leute) und die Praesidenten (5) zu kontrollieren.
Nun haben sich diese 500 Moechtegern-Volksvertreter 500 neue
Gelaendewagen zur persoenlichen Verfuegung bestellt.
Das bedeutet, dass diese Autos automatisch in Privatbesitz uebergehen
und im Falle einer Nichtwahl dieses Staatseigentum ins irgendwo verschwindet.

Die 6 Millionen-Stadt Kinshasa hat kein oeffentliches 
Personentransportsystem, geschweige denn oeffentliche Schulen,
das Volk hat nichts zu mampfen, das Gesundheitwesen ist voellig
unzureichend etc. etc.
Die Bevoelkerung hat auch schon reagiert und seine Unzufriedenheit
darueber am Radio kundgegeben. Sollte dieses Land, wie es sich selbst
betittelt, eine "Demokratische Republik" sein, so hoffe ich, dass sich
das Volk gegen die schallende Ohrfeige wehrt, wenn es sein muss
mit allen zur Verfuegung stehenden Mitteln.

(Steinigung ist z.B. auch ein Mittel.)
12. Mai 2004, 18:50

Mbote,

New York hat entschieden. Es gibt keinen zusaetzlichen Schweizer in
der Mission der Vereinten Nationen im Kongo. Das heisst fuer mich keine
Verlaengerung von sechs Monaten, was mich nicht wirklich traurig stimmt.
Das "Schwimmen gegen den Strom" (UNO) macht muede und ich freue mich euch
alle wieder zu sehen.
Ich bereue es nicht mich auf das Jahr als Militaerbeobachter eingelassen
zu haben und wuerde es jederzeit wieder tun.

Wenn alles klappt bin ich so um den 25. Mai in Basel.

Gruesse

Denis

PS.: Ab 19. Mai 2004 gilt wieder meine alte e-mail Adresse
denis71@bluewin.ch .

Denis Baumgartner
Capt
Mil Info
HQ Kinshasa
Ext. 6059
+243 818 99 77 51
Montag, 17. Mai 2004, 19:30

Die Fuehrer der Rebellengruppen vom Ituri haben sich fuer Verhandlungen
mit der Uebergangsregierung in Kinshasa getroffen. Bis auf zwei,
die Vertreter geschickt haben, sind alle gekommen.
Jerome, ein ganz uebler Kumpane, ist dann noch verspaetet
mit einem extra Flug der MONUC eingeflogen worden.
Wollte sich wichtig machen und ist dann auch noch in Uniform aus dem
Flugzeug gewatschelt, mit einem Zauberstab in den Fingern.
Da haben wir ihm gerade mal klar gemacht, dass er diesen Firlefanz
beseite lassen kann und dass er hier in Kinshasa ist, wo die regulaere
Kongolesische Armee (die ist eigentlich auch ein Firlefanz) das Sagen
hat. Er nennt sich selber General und war in der Mobutu Armee mal ein
Feldweibel. Steile Karriere.

Die Unterkunft (alle waren in derselben untergebracht) hat er auch
unpassend gefunden fuer einen General. Sich mit den anderen Lausbuben
in den gleichen Bus setzen wollte sich der Herr General auch nicht.
Er hatte seinen privaten Mercedes zur Hand. Schlussendlich ist er
vom hohen Ross gestiegen und ohne Uniform und Mercedes hat er auch
nur noch wie eine halbe Hose ausgesehen.
Die ganzen Verhandlungen waren von Seiten der Uebergangsregierung
und der MONUC organisiert. Ich muss leider wieder mal sagen nicht
gerade weltmaennisch.
Die Unterkuenfte waren io, aber wenn man bedenkt, dass wir in Afrika
sind und Prestige sehr wichtig ist, so wurden die Rebellenfuehrer eher
spartanisch untergebracht. Man koennte jetzt sagen, die Regierung koenne
kein Geld verschwenden fuer teuere Hotel etc.  Allerdings ist aber 
ein fuenf Sterne Hotel im Besitz von der Regierung, und in Anbetracht
der Wichtigkeit dieser Verhandlungen haette man doch ein wenig
grosszuegiger sein sollen.
Man hat weiss der Himmel schon duemmer Geld ausgegeben hier im Kongo.

Zudem muss man den Rebellenfuehren das Gefuehl geben, dass man sie ernst
nimmt. Schliesslich sind alle Oberhalunken, die jetzt wichtigtuerisch
in der Uebergangsregierung sitzen, vor knapp 12 Monaten noch in derselben
Lage gewesen wie die Rebellen es jetzt sind.
Im Ituri leben 10% der kongolesischen Bevoelkerung und es hat jede
Menge an Bodenschaetzen, und auch die Landwirschaft koennte, wenn
Frieden herrschte, sehr produktiv sein.
Man hat die Rebellenfuehrer wie Schulbuben behandelt, man hat ihnen
nicht einmal Transportmittel zur Verfuegung gestellt, um Angehoerige
in Kinshasa zu treffen. Der Zeitplan wurde stuendlich geaendert und
man liess sie staendig in Ungewissheit.

Am Tag der Abkommensunterschreibung wurde eine Sitzung einberufen,
und der Text des Abkommens der unterzeichnet werden sollte,
vorgelesen. Es wurden keine Kopien verteilt und es wurde den Leuten
keine Zeit gegeben den Inhalt untereinader zu besprechen. Als es dann
zum Akt des Unterschreibens kam, haben alle unterschrieben.
Nichts als ein weiteres Papier, welches nicht luegt weil es ja nicht
sprechen kann.

Nun hoffen wir mal das Beste und vielleicht ist das Abkommen ja doch
eine neue Chance.
Auf alle Faelle kann die MONUC jetzt haerter durchgreifen, falls die
boesen Buben nicht so tun wie sie sollten.

Here we go

Donnerstag, 20. Mai 2004,  19:10

UNO E-Mail Adresse nicht mehr verwenden !

Die UNO E-Mail Adresse gehoert jetzt nicht mehr mir
(Denis Baumgartner), da ich die Mission verlasse.
Jegliche e-mails gehen jetzt an meinen Nachfolger.

Meine Adresse lautet also denis71@bluewin.ch .

Gruss

Denis 

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